Warum Japans neue Sicherheitspolitik zum Konflikt mit China führt

Shownotes

Ein Moment des Schocks für alle Panda-Freunde in Japan: Die kurzfristige Rückholung der letzten beiden Pandas nach China ist weit mehr als nur ein trauriger Abschied im Ueno Zoo von Tokio. Der Abzug der Tiere steht symbolisch für die schwere bilaterale Krise, in der Japan und China stecken.
Auslöser der aktuellen Krise war eine Aussage der neuen japanischen Premierministerin Sanae Takaichi am 7. November im Parlament zu einem möglichen Konflikt um Taiwan. China reagiert ungehalten, mit einer Mischung aus militärischem Säbelrasseln, wirtschaftlichem Druck und Tourismus- und Kulturboykotten. Was Japans „Zeitenwende“ in der Sicherheitspolitik damit zu tun hat, die verstärkte Zusammenarbeit mit den USA unter Donald Trump und die Rolle des „südlichen Dreiecks“ mit Südkorea, erklärt die Politikwissenschafterin Alexandra Sakaki in der neusten Folge von "NZZ Geopolitik".

Gast: Alexandra Sakaki, Expertin für Aussen- und Sicherheitspolitik in Japan und Ostasien bei der SWP in Berlin Host: Marlen Oehler

Über die sicherheitspolitische Wende Japans findet Ihr zum Beispiel diesen Artikel in der NZZ oder hier über Takaichis Rolle.

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00:00:00: Das war ein großer Schock für alle Panda-Freunde in Japan.

00:00:15: Die beiden Pandaschwestern Xiaoxiao und Leilei werden Japan sofort verlassen müssen, erklärt der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Ende Januar.

00:00:27: Die Pandas würden aus dem Tokyoter Ueno Zoo zurück nach China gehoben.

00:00:37: Zurück?

00:00:37: Naja, die beiden Pandas sind eigentlich in Japan geboren und die letzten beiden Pandhas in Japan überhaupt.

00:00:48: Der Sprecher des Außenministeriums fügt zwar an, Chinas Freunde in Japan seien jederzeit willkommen, die Pandas zu besuchen!

00:01:00: Doch, das ist wenig Trost.

00:01:12: Tausende Menschen versammeln sich beim Tokyota Zoo um sich von den beiden Pandas zu verabschieden.

00:01:18: Es sind sehr emotionale Szenen.

00:01:26: Nicht nur die Wärterinnen brechen in Tränen aus, auch viele Besucher.

00:01:39: Und dann am nächsten Tag in China – am Tianfu International Airport in Chengdu in der Provinz Sichuan.

00:01:47: Die kostbare Fracht wird ausgeladen, die Container streng überwacht sorgfältig verladen und die Pandaschwestern in einen Nationalpark im Südwesten Chinas gebracht.

00:02:00: Nun es geht eben nicht einfach um zwei Pandas.

00:02:03: Es geht um viel mehr, denn Pandas werden von China traditionell als Botschafter der Freundschaft verlieren.

00:02:10: Werden sie zurückgeholt?

00:02:12: Dann ist die Beziehung in Schieflage!

00:02:15: Man kann auch sagen wenn China und Japan die letzten beiden Pandas wegnimmt dann ist das eine Art gelbe Karte an Japan.

00:02:23: oder wie würdest du das beschreiben Alexandra?

00:02:26: Also, China nutzt den Abzug der Pandas um seinen Unmut gegenüber Japan unmissverständlich zu signalisieren.

00:02:35: Auslöser der aktuellen bilateralen Verstimmung war eine Äußerung von der japanischen Premierministerin Takaiichi im November zu einem möglichen Zwischenfall um Taiwan auf die China in den vergangenen Wochen ungewöhnlich scharf reagiert hat.

00:02:52: Dass die Pandas nun ersatzlos zurückgeholt werden, ist jedoch mehr als eine kurzfristige Reaktion.

00:02:58: Es ist Ausdruck einer tiefen Krise und struktureller Spannung zwischen Japan und

00:03:03: China.".

00:03:06: Das ist NCZ Geopolitik – das große Ganze verstehen.

00:03:10: Mein Name ist Marlin Öler.

00:03:13: Seit November schaukeln sich die Spannungen hoch.

00:03:15: Japan und China liegen sich in den Haaren!

00:03:18: Was das mit der neuen Sicherheitspolitik Japans zu tun hat und der Rivalität der Großmächte in der Pazifik-Region, bespreche ich heute mit Alexandra Sakaki.

00:03:28: Sie forscht zur Außen- und Sicherheitspolitik in Japan und in Ostasien bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik.

00:03:36: Hallo Alexandra!

00:03:37: Ich grüße dich nach Berlin.

00:03:38: Ja hallo vielen Dank für die Einladungen im Podcast.

00:03:42: Lass uns zuerst noch mal über diesen Startpunkt den Auslöser dieser Krise sprechen.

00:03:48: Du hast es vorhin schon kurz erwähnt, alles begann am siebten November letztes Jahr.

00:03:53: Ja.

00:03:54: Japans da noch ganz frische Premierministerin Sanae Takaiji steht im Parlament und bekommt eine hypothetische Frage gestellt.

00:04:04: Ein Abgeordneter fragt was Japan in Falle einer chinesischen Marineblockade von Taiwan.

00:04:17: Sie sagt ganz ruhig und schlicht, ein chinesischer Angriff auf Taiwan könnte für Japan eine Zitat Existenzbedrohende Situation darstellen.

00:04:34: Alexandra was heißt das im Klartext?

00:04:38: ist ein spezieller Terminus, existenzbedrohende Situation der im Zusammenhang mit Japans Friedensverfassung und der Debatte darum steht.

00:04:48: Und nach derzeitiger Verfassungsinterpretation darf Japan in einer Situation die existenz bedrohendes kollektive Selbstverteidigung ausüben.

00:04:58: Das heißt, Japan dürfte gegenüber Partnerländern Unterstützung

00:05:02: leisten.".

00:05:04: über das im Begriff kollektive Selbstverteidigung stolprigen wir immer noch.

00:05:09: Ja, die große Frage dabei ist meinte sie Taiwan also Unterstützung gegenüber Taiwan?

00:05:15: meine Interpretation dieser Debatte von Takai Cheese dass Sie Unterstützungsleistungen gegenüber den USA meinte also wenn die US-Truppen in einer Taiwan Krise eingreifend würden dass Japan diese US Truppen beispielsweise schützen dürfte darum ging es ihr glaube ich im Kern.

00:05:33: Aber

00:05:33: ist denn diese Aussage von Takahichi neu?

00:05:36: Also schlägt sich da ganz neue Töne an.

00:05:39: Japan führt diese Debatte über kollektive Selbstverteidigung und die Unterstützung gegenüber Partnern schon seit Jahrzehnte oder fünfzehn.

00:05:47: Damals, zweitausendfünfzehn wurden Gesetze entsprechend erlassen, dass Japan eben diese kollektiven Selbstverteiligungen ausüben darf wenn es zu Krisen in der Region kommt also zum Beispiel einer Krise um Taiwan oder auch im Nordkorea.

00:06:01: eigentlich war das in den Debatten immer völlig klar Und gerade was Taiwan angeht haben tatsächlich auch verschiedene Politiker, ehemalige Prämie-Minister beispielsweise schon betont dass eine Krise um Taiwan auch eine Kriese für Japan ist.

00:06:16: Das was neu ist das Takaichi den Bezug zwischen kollektiver Selbstverteidigung und einer Taiwan-Krise ganz konkret angesprochen hat.

00:06:27: es war immer implizit in den Debatten aber eben nicht so konkret angesprochen durch einen Premierminister.

00:06:33: Es ist auch ungewöhnlich für Japan insofern, weil es historisch gewachsen oder traditionell immer diese pazifistische Nachkriegsidentität gab.

00:06:44: Die auch in der Verfassung festgehalten war die den Verzicht auf Krieg eigentlich festschrieb.

00:06:51: hat sich da was verändert?

00:06:52: Ja, tatsächlich ist Japans Sicherheitspolitik in einem großen Wandel in Begriffen.

00:06:57: Vor allen Dingen seit zwei Tausend Zweiundzwanzig.

00:07:00: die aktuelle japanische nationale Sicherheitsstrategie spricht von dem schwierigsten und komplexesten Sicherheitsumfeld seit nineteen vierzig.

00:07:09: Man muss bedenken das Japan in seinem unmittelbaren Umfeld drei Nuklearmächter hat.

00:07:16: da ist einmal China natürlich das massiv aufrüstet und dass sich auch aggressiv im süd- und ostchinesischen Meer zeigt, dann ist da Nordkorea das auch kontinuierlich seine Nuklear- und Raketenprogramme verfolgt.

00:07:31: Und als dritte Nuklear macht es auch Russlander dass die gemeinsamen militärische Aktivitäten mit China um Japan herum verstärkt hat.

00:07:41: Zudem kommt noch dazu Russlands Vorgehen in der Ukraine, in Japan nochmal die Bedrohungswahrnehmung verstärkt hat.

00:07:50: Es gab den berühmten Satz des ehemaligen japanischen Premierminister Kishida, der gesagt hat was in der Ukraine geschieht kann eben auch in Ostasien geschehen.

00:08:01: Und diese geballte Unsicherheit in der Region löste quasi diesen neuen Sicherheitspolitischen Kursen in Japan aus?

00:08:09: Genau, also das was wir sehen ist dass Japan immer mehr sicherheitspolitische Reformen beschleunigt.

00:08:16: Man könnte sagen, dass Japan auch seine eigene Zeitenwende durchläuft.

00:08:21: Japan hat seinen Verteidigungsbudget massiv erhöht es hat die Zusammenarbeit mit den USA intensiviert Es hat neue militärische Fähigkeiten angeschaffen insbesondere sogenannte Gegenschlagsfähigkeiten.

00:08:35: das sind Raketen mit denen Japan auch gegnerische Ziele ins Visier nehmen kann und diese Dinge hat Japan eben in den letzten Jahren massiv vorangetrieben.

00:08:47: Und jetzt noch mit einem klaren Mandat, Takaichi hat ein klares Mandat der Bevölkerung auch, also ihre Partei hat eine Supermehrheit geholt bei den Parlamentswahlen kürzlich... Also die Japanerinnen und Japanern stimmen für eine schärfere Sicherheitspolitische Agenda und dazu gehören eben auch eine Stärkung des Militärs kann man sagen.

00:09:09: Premierministerin Takaiichi steht ganz klar für den Kurs, den Japan seit Jahrzehntausendzwanzig eingeschlagen hat.

00:09:16: Sie möchte diese sicherheitspolitischen Reformen weiter vorantreiben und in dem Wahlaggitmes sieht man schon auch das ein großer Teil der japanischen Bevölkerung die es befürwortet.

00:09:28: Es ging bei der Wahl natürlich nicht nur um Sicherheitspolitik Auch Wirtschaftspolitik stand im Zentrum Und es ging auch darum, dass Premierministerin Takaiichi als starke Führungspersönlichkeit wahrgenommen wurde und die Opposition sehr zersplittert war.

00:09:45: Aber die Bevölkerung steht grundsätzlich in großen Teilen zumindest hinter diesem sicherheitspolitischen Kurs.

00:09:53: Man ist sich in Japan sehr klar, dass es die Bedrohungslage für Japan sehr schwierig und komplex ist.

00:10:00: Wie stark ist denn die japanische Armee stand jetzt respektive mit den Plänen, die Takaiji verfolgt?

00:10:09: Also im Vergleich zu anderen Staaten in Ostasien.

00:10:12: Japan hat ein sehr starkes Militär das aber sehr stark auch auf die Zusammenarbeit mit den USA angewiesen ist.

00:10:19: Das muss man ganz klar sagen dass Japans Stärke nur im Verbund mit den USA gedacht werden muss.

00:10:26: Nichtsdestotrotz Auch wenn Japan aufrüstet Was man sieht in der Region ist, dass China um ein vielfaches Meer aufrüstet.

00:10:34: Mittlerweile betragen die chinesischen Rüstungsausgaben die offiziellen etwa das fünffache von Japan.

00:10:41: Das heißt, das Kräfteverhältnis hat sich in den letzten Jahren immer mehr zugunsten Chinas entwickelt.

00:10:49: Gut, also gar nicht erfreut Waren die Chinesen über Takaiji's Aussage im Parlament zu Taiwan?

00:10:56: So viel ist sicher.

00:10:58: Die Reaktion aus Peking kam postwendend.

00:11:01: Schauen wir uns diese Eskalationsspirale noch etwas genauer an, Alexandra.

00:11:05: Zunächst war Chinas Reaktionen rhetorisch und auf diplomatischen Parkett

00:11:12: Ja, richtig.

00:11:13: Also Chinas Reaktion setzt sich zusammen aus scharfer Rhetorik aber eben auch einer Fülle an Druckmitteln.

00:11:21: Zunächst einmal hat China gesagt dass diese Äußerung Takahichs eine Einmischung in innere Angelegenheiten war.

00:11:29: ein chinesischer Diplomat ging soweit das er die Enthauptungen Takahicis in sozialen Medien forderte.

00:11:36: Der Außenminister Chinas hat sich seitdem immer wieder zu Wort gemeldet und den Rückkehr des Militarismus in Japan an die Wand geschrieben, erzog parallelen zur Japans imperialer Vergangenheit im zweiten Weltkritik.

00:11:52: Und diese Vorwürfe hat China auch international vorgebracht also zum Beispiel gegenüber dem UN-Generalsekretär oder zuletzt auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

00:12:03: Japan hat natürlich dieser Darstellung das Milit... Hörnismos widersprochen und dagegen protestiert.

00:12:09: Also China versucht da so ein altes Rösser und Timon aufzugreifen, oder?

00:12:13: So eine historische Last die in diesem Raum noch vorhanden ist.

00:12:17: eben dass damals Japan an der Seite von Nazi Deutschland Schrecken über Ostasien brachte.

00:12:24: Ja das ist richtig!

00:12:25: China versucht dieses Bild wieder zu beleben eines aggressiven Japans.

00:12:31: Meine Beobachtung ist aber das Chinas Bild von Japan, dass es da versucht zu zeichnen international nicht auf allzu große Resonanz stößt.

00:12:41: Nichtsdestotrotz ist das eben der Versuch dieses Bild wieder aufleben zu lassen.

00:12:48: Aber sagen wir mal diese Reaktionen die sind noch eben so auf dem rhetorischen emotionalen diplomatischen Parkett?

00:12:55: Das ist im üblichen Rahmen bei solchen Verstimmungen doch China lässt Belässt es ja nicht nur bei Worten.

00:13:01: Die Eskalationsspirale dreht schnell weiter, auch in militärische Säbelrasse.

00:13:07: Das ist richtig.

00:13:08: Wobei man sagen muss, die Drohung einer Enthauptung durch den Diplomaten geht schon über das übliche hinaus.

00:13:14: Ja es ist scharf!

00:13:15: Aber

00:13:16: tatsächlich besorgniserregender für Japanen ist das militärische Säberrasseln.

00:13:20: also was man sieht ist dass China im Dezember seine militärisch Präsenz um in unmittelbarer Nähe um Japans Inselkette im Südwesten sehr verstärkt hat einschließlich eines chinesischen Flugzeugträgers von dem aus Übungsschlüge durch Kampfjets durchgeführt wurden.

00:13:39: Das chinesische Militär ist auch in der Nähe der Senkaku-Inseln durchgefahren im Ostchinesischen Meer, das sind kleinere Inseln um die sich Japan und China streiten.

00:13:52: Besorgniserregend war insbesondere ein Vorfall Anfang Dezember als ein chinesisches Militärflugzeug offenbar ihr Feuerleiterer da gegen japanische Kampfjets einsetzte.

00:14:04: Das bedeutet?

00:14:05: Also

00:14:05: wenn dieses Feuerleitor da eingesetzt wird, das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie wenn jemand eine Schusswaffe anlegt und auf einer Person zielt also das Risiko eines Schusses.

00:14:16: Es ist ne brampegefährliche Provokation gewesen

00:14:19: Es ist ganz gefährlich, genau.

00:14:21: Und das kann leicht eskalieren und zu Missverständnissen kommen.

00:14:24: Es kommt dann auch sehr auf die Reaktion der Piloten an auf japanischer Seite.

00:14:29: also es ist durchaus eine gefährliche Situation.

00:14:34: Also rhetorische Eskalation, militärisches Säbelrasseln und dann haben wir noch die Pandas.

00:14:39: Genau!

00:14:40: Die Pandas sind Teil eines Drucks was kulturelle oder akademische Dinge angeht.

00:14:46: also was wir gesehen haben ist dass China auch kulturell eine akademische Austauschprogramme ausgesetzt hat oder eingeschränkt hat.

00:14:53: es wurden öffentliche Vorführungen von japanischen Filmen oder Anime ausgesetzt Auftritte von Künstlern in China abgesagt, von großen J-POP Gruppen.

00:15:04: Konzerte von Japanischen Stars, Pokémon Turniere

00:15:08: etc.,

00:15:09: also da wurde auch ...

00:15:10: Die ganze Palette.

00:15:12: Genau die ganze Palettes abgesagt.

00:15:15: Aber wie man liest boyquartiert China nicht nur kulturelle Güte aus Japan sondern auch den Tourismus und damit Japans Wirtschaft?

00:15:25: Genau, China macht die größte Touristengruppe in Japan auf und China hat dann eine offizielle Reisewarnung für Japan herausgegeben und die Bürger aufgefordert das Land zu meiden.

00:15:38: Man argumentiert von chinesischer Seite, dass es hier um Sicherheitsbedenken für chinesische Bürger in Japan geht.

00:15:45: Eine Darstellung die sich allerdings von japanischer Seite und von Japan veröffentlichte Kriminalitätszahlen nicht sozusagen belegen lässt

00:15:54: ist unglaubwürdig

00:15:56: Ja.

00:15:56: Und chinesische Fluggesellschaften haben auch eine Vielzahl an Flügen zwischen Japan und China abgesagt, kostenlose Stornierungen angeboten.

00:16:06: also was man sieht ist seitdem einen Einbruch der Touristenzahlen aus China.

00:16:10: Was ist der Effekt?

00:16:11: Also was weiß man da?

00:16:13: Im Januar lag die Zahl der chinesischen Besuche in Japan um etwa sechzig Prozent niedriger als ein Jahr zuvor und die japanische Tourismusbranche geht davon aus, dass dadurch in diesem Jahr die gesamte Touristenzahl seit der Corona-Pandemie erstmals wieder sinkt.

00:16:33: und mit anderen Worten das hat schon massive Auswirkungen auf die japanische Tourismusbranche.

00:16:39: Was Japans Wirtschaft sehr hart trifft, den Tourismus ist ein ganz wichtiger Einkommenszweig.

00:16:44: Gibt es noch andere Bereiche wo China jetzt Druck macht?

00:16:47: Also ein weiterer Bereich sind Exportbeschränkungen für seltene Erden und für Dual-Use-Güter.

00:16:54: Das ist ja ein Mittel, was vor allen Dingen seltenen Erden, das China jetzt schon öfter international genutzt hat.

00:17:02: Und es möchte damit natürlich strategisch wichtige Seltene-Erden und Dual-Us-Güttern nach Japan.

00:17:09: dadurch dass sie einschränkt versuchen Japans Wirtschaft direkt zu schwächen und auch seine technologische oder Militär entwicklung behindern.

00:17:18: also wenn es um seltene erden geht das immer große anspannung zu erwarten bei denen die diese seltenerden natürlich brauchen aus china als quasi monopolist dieser kritischen rohstoffe?

00:17:31: genau

00:17:32: gut.

00:17:32: aber was ich mich frage alexander wenn ich jetzt das höre und diese verschiedenen bereiche Hiner nutzt die wirtschaftliche Abhängigkeit in der Krise als politisches Druckmittel ebenso wie Kulturboykott, die PAMDA-Diplomatie im Rückwärtsgang oder das militärische Säbelrasseln.

00:17:48: Wie reagiert denn Japan auf diese verschiedenen Maßnahmen?

00:17:51: Ja,

00:17:52: Japan hat die Artige... Druckkampagnen von China schon länger erfahren.

00:17:58: Das erste Mal so klar, es gab auch schon mal einen Inselstreit über der Eskaliert ist und bei dem dann China vor allen Dingen den Exportstopp von seltenen Erden genutzt hat als Druckmittel.

00:18:11: insofern man beobachtet das in Japan schon seit längerem und hat auch versucht sich deshalb anders aufzustellen.

00:18:18: Die sicherheitspolitische Seite hatten wir schon diskutiert, aber auch wirtschaftspolitisch versucht sich Japan anders aufzustellen, kritische Abhängigkeiten von China zu reduzieren.

00:18:29: also zum Beispiel der Bereich seltene Erden ist ein Bereich den Japan sehr vorantreibt.

00:18:34: Wie will man sich unabhängige machen von China wenn es um seltener Erden geht?

00:18:39: Japan investiert in verschiedene Projekte, beispielsweise mit Australien und Malaysia hat man ein Projekt aufgestellt wo die japanische Regierung auch massiv investiert um es zu ermöglichen seltene Erden.

00:18:55: komplett ohne China in den Lieferketten zu importieren.

00:18:59: Also da versucht man sich unabhängiger zu machen gegenüber China und sicherheitspolitisch besser aufzustellen, dass man gewisse Handlungsmöglichkeiten hat.

00:19:09: Gibt es auch Abhängigkeiten umgekehrt also das Japan über Güter verfügt die sie ebenso als Druck mit leihen setzen könnten gegenüber China?

00:19:17: Ja, das ist tatsächlich im japanischen Denken ein ganz wichtiger Faktor.

00:19:21: Man versucht zu identifizieren welche Technologie Abhängigkeiten es von chinesischer Seite gegenüber Japan gibt also zum Beispiel die Chip.

00:19:30: Produktion ist ein wichtiger Fektor wo Japan schon in bestimmten Bereichen Schlüsseltechnologie hat und auch Schlüsselindustrie hat Und diese Abhängigkeit will man natürlich auch gegenüber China nutzen.

00:19:47: Wir sind gleich

00:19:47: zurück.

00:20:14: Nun sucht die NCZ bereits die nächste Generation der Wollos und man kann sich wieder auf vier verschiedene Volontariate bewerben, unter anderem auch für eines in dem man einige Monate im Podcast-Team verbringen kann.

00:20:33: Den Link zu den Stellenangeboten gibt es in den Show Notes.

00:20:36: Viel Erfolg beim Bewerben!

00:20:43: Ich muss sagen, Alexandra, wenn wir das nun hier alles zusammen tragen.

00:20:48: Diese hitzige Reaktion Chinas auf allen Ebenen ausgelöst durch eine einzelne hypothetische Aussage im Parlament durch die neue Premierministerin Japans Sanai Takayichi.

00:21:01: Wir müssen darüber reden warum es zu dieser heftigen Gegenreaktion kommt.

00:21:06: Was triggert China derartig?

00:21:09: Ja, also es ist natürlich so dass Japan sich sicherheitspolitisch neu aufstellt um mit den aktuellen Sicherheitspolitischen Herausforderungen umgehen zu können.

00:21:20: Aber aus meiner Sicht ist das Narrativ erstmal was China da hat nicht glaubwürdig wenn man sich die Realität anschaut.

00:21:27: ich hatte schon gesagt Chinas Militärbudget ist so viel höher als Japans.

00:21:32: China geht aggressiv in der Region um und deshalb muss man sagen, dass Japan hier eigentlich auf das schlechte Sicherheitsumfeld reagiert.

00:21:42: Also mit Narrativ meinst du eben diese Geschichte von dem aufkommenden neuen Militarismus Japans?

00:21:49: Genau richtig!

00:21:51: Wenn man jetzt darüber hinausgeht, was steckt dann eigentlich hinter Chinas Aufregung über diese Aussage?

00:21:59: Es ist natürlich so, dass China Taiwan ganz klar als Kerninteresse definiert und in den letzten Jahren immer wieder auch scharf auf Taiwan-Positionierung anderer Länder reagiert hat.

00:22:10: Also wenn man beispielsweise an den Taiwan Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, das Jahr massiv mit Militärmanövern und so weiter reagiert.

00:22:25: Das heißt, das ist nicht ganz neu dass China da sehr heftig

00:22:28: reagiert.".

00:22:29: Aber das war Takaiji wohl auch klar oder?

00:22:32: Also ich meine alles was mit Taiwan zu tun hat.

00:22:34: wenn man sich äußert oder positioniert ist es wie wenn man in ein West-Bennest sticht.

00:22:40: Sie hat diese Aussage auch erst getroffen, nachdem der Oppositionspolitiker mehrfach nachgefragt hat.

00:22:46: Er hat schon etwas nachgebohrt.

00:22:48: insofern fühlte sie sich vielleicht auch genötig da noch konkreter zu werden eben durch diesen Frageablauf im Parlament.

00:22:56: Was man bei Japan noch speziell betonen muss, ist dass Japan im Kontext von Taiwan eine ganz herausragende Rolle spielt.

00:23:03: Japan ist ja der wichtigste US-Verbündete in der Region und ohne Japan können die USA bei einer Taiwan-Krise nicht militärisch handeln.

00:23:14: Und im Südwesten von Japans in Okinawa ist auch ein Großteil der US-Truppen in der Region stationiert.

00:23:22: Was China also missfällt, ist das Japan... und die USA in den letzten Jahren ihr Bündnis deutlich vertieft

00:23:29: haben,

00:23:30: dass sie neue Kommandostrukturen beispielsweise eingeführt haben.

00:23:33: Und auch konkreter darüber beraten haben wie Sie mit Zwischenfällen und militärischen Eskalationen um Taiwan umgehen würden.

00:23:42: Aber hat Japan keine direkten Interessen wenn es um Taiwan geht?

00:23:46: Unabhängig von den USA.

00:23:48: Taiwan an sich ist für die gesamte Region und auch für Japan von ganz zentraler Bedeutung.

00:23:53: Es ist ja Teil der ersten Inselkette, die sich von Japan über Taiwan zu den Philippinen und dann bis hin zur Indonesien erstreckt.

00:24:02: Das ist die Inselkette, die China den Zugang zum Pazifik erschwert.

00:24:08: Und gleichzeitig gehen um Taiwan wichtige Handelsrouten.

00:24:12: Das heißt, für Japan ist das auch von ganzzentralerer Bedeitung.

00:24:16: Und hinzu kommt auch noch, das darf man nicht vergessen, dass Taiwan nur etwa hundertzehn Kilometer von der nächsten japanischen Insel entfernt ist.

00:24:25: Also es gibt auch eine sehr große geografische Nähe und deshalb ist Taiwan von ganz zentraler Bedeutung für Japansicherheit.

00:24:33: Aber gehen wir nochmal zurück zu den Nauern oder... sehr engen Beziehungen zwischen Japan und den USA.

00:24:41: Die hat sich mit der Wahl von Sanae Takaiji noch verstärkt, die konservative Hardlinerin und Trump verstehen sich gut.

00:24:54: Kurz nach ihrer Wahl Ende Oktober besuchte Präsident Trump die neue Premierministerin in Tokio.

00:25:04: Er wird hier mit allen Ehren empfangen Auf einem Podest mit rotem Teppich flankiert vom Sternenbanne und der Flacke von Japan, die beiden lauschen den Nationalhymnen.

00:25:21: Danach werden Freundlichkeiten ausgetauscht... ...und Takaiichi spricht von einer neuen goldenen Ära der japanisch-amerikanischen Allianz!

00:25:39: Und Trump findet viel Lob für die neue Regierungschefin.

00:25:57: Wichtig auch, danach besuchen sie noch gemeinsam den amerikanischen Flugzeugträger USS George Washington in ... Tokyo.

00:26:05: Was lösen denn solche Bilder in China aus, Alexandra?

00:26:09: Also zunächst mal zeigen die Bilder dass die USA und Japan ein sehr starkes Bündnis haben.

00:26:15: das versuchen sie auch mit solchen Bildern nochmal zu unterstreichen.

00:26:19: von den USA ausgesingen.

00:26:20: wie gesagt ist Japan der wichtigste Verbündete wenn es darum geht China entgegenzutreten Und China auf der anderen Seite blickt eben mit Sorge auf die Stärke dieses Bündnisses und versucht – das kann man über die letzten Jahre immer wieder sehen, einen Keil in das Bündnis zu treiben.

00:26:37: Also für Unstimmigkeiten zu sorgen!

00:26:40: Wir haben es hier im Endeffekt mit einem Dreiecksverhältnis zu tun bei dem China immer wieder testet wo Schwachstellen in diesem Bündness sind, die es für sich nutzen können.

00:26:52: Hinzu kommt vielleicht auch noch wichtig, ein weiterer Akteur.

00:26:55: Und das ist Südkorea vor dem Hintergrund dass die Beziehung zwischen China Russland und NordkoreA sozusagen das nördliche Dreieck immer stärker sind seit Jahrzehntezweiundzwanzig.

00:27:08: Vor allen Dingen hat Süd Korea sich auch immer stärkers zugewendet den USA aber auch Japan.

00:27:14: Das heißt wir haben sozusagen das südliche dreieck USA, Japan und SüdKoreA das eben auch seine Trilaterale Kooperation verstärkt und das ist China ein Dorn im Auge.

00:27:25: Aber eigentlich, wenn man jetzt auf diese aktuelle Krise und wie sich die Hochschaukel in seinem Tempo, in seiner Intensität schaut dann habe ich doch ein wenig gestaunt wie wenig Rückendeckung aus den USA dem quasi der Schutzmacht Japans und dem wichtigsten Sicherheitspartner eigentlich gekommen ist.

00:27:45: es war relativ still aus Washington zur Krise, zumindest scheint es so.

00:27:50: Wie lässt sich das denen erklären?

00:27:52: Ja in der Tat ist es so dass Präsident Trump und auch das Weißer Haus allgemein sich nicht sehr klar positioniert haben in dieser Krise.

00:28:01: Es gab allerdings, wenn man jetzt auf das politische Washington schaut schon von US-Kongressabgeordneten und Senatoren Unterstützungssignale.

00:28:10: Also es gab Resolutionen die Kritik an Chinas Druck geäußert haben.

00:28:15: aber eben was fehlte war die klare Positionierung von Trump und dem Weißen Haus.

00:28:21: Was dahinter steckt, ist wohl denke ich dass Trump ja Anfang April nach Peking reist und dabei hofft bei seinem Besuch auf ein neues Handelsabkommen mit China.

00:28:33: Und es ist offenbar so das er vor diesem Besuch die bilaterale Konfrontation mit China begrenzen möchte und für möglichst gute Stimmung sorgen möchte und sich deshalb in diesem Streit nicht positionieren wollte.

00:28:47: Das ist natürlich... für Japan durchaus ein Problem oder wird kritisch gesehen, man hätte sich dadurch auch mehr Unterstützung gewünscht von den USA.

00:28:57: Wir sehen angesichts der Machtverschiebungen in der Region dass die Bündnisse sich verstärken um sich gegen die zunehmend aggressive Haltung Chinas im Süd- und Ost chinesischen Meer zu wappnen vor allem das vorhin gesagt vor einem unberechenbaren Nordkorea.

00:29:15: Die Frage aber ist letztlich Was bedeutet das für die regionale Stabilität, sagen wir mal wenn Japan also seine Verteidigungsfähigkeit erhöht?

00:29:25: Selbstbewusster Auftritt.

00:29:27: Ja ich meine der größte Faktor der für Instabilität in der Region sorgt ist... muss man eben sagen, China mit vielleicht Nordkorea und Russland noch ein Stück weit.

00:29:38: Aber vor allen Dingen Chinas militärisches Aufrüsten und militärische Vorgehen in der Region sorgt ja für Instabilität dem ja auch etwas entgegengestellt werden muss, aus japanischer Perspektive aber auch aus Perspektiven viele anderer Länder in der Region.

00:29:56: Denken wir mal an die Philippinen, die ja auch unter massiven Druck stehen von chinesischer Seite.

00:30:02: Das heißt es gibt durchaus einige Länder, die das gar nicht für so schlecht halten wenn Japan auch eine größere sicherheitspolitische Verantwortung in der region übernimmt und dieser chinesischen Dominanz etwas entgingen stellt.

00:30:15: Kann man also sagen, die chinesische japanische Krise ist letztlich ein Symptom der tiefgreifenden geopolitischen Verschiebungen im Indo-Pazifik.

00:30:24: Ja, ich würde das schon sagen.

00:30:26: Man sieht hier ein Verherrten wie gesagt einerseits der Kooperation zwischen China, Nordkorea und Russland und auf der anderen Seite von den USA und Japan auch SüdkoreA, auch anderen Ländern.

00:30:39: Das heißt, hier bilden sich neue Fronten und verstärken sich die Spannungen zwischen diesen beiden Lagern.

00:30:47: Wie kommen denn Japan und China wieder aus der Krise?

00:30:51: Hast du da eine Prognose Alexandra?

00:30:53: Also ich glaube jetzt erst mal, bis der Gipfel zwischen Trump und Xi stattfindet wird sich erstmal wenig ändern.

00:31:00: Was danach passiert ist noch offen.

00:31:03: es kann sein dass China zwischendurch etwas bessere Beziehungen auch mit Japan sucht vor allen Dingen wenn die Spannung mit den USA ansteigen.

00:31:12: aber die strukturellen Spannungen zwischen Japan und China werden vermutlich fort bestehen.

00:31:17: das heißt es bleibt ein schwieriges Verhältnis militärischen Eskalationspotenzial auch.

00:31:26: Das wünschen wir uns alle nicht, dass noch ein kriegerische Schauplatz mehr hinzukommt auf diese bereits sehr unruhigen Welt.

00:31:33: Aber ich danke dir herzlich für deine Einschätzung nach Berlin, Alexandra!

00:31:38: Ja vielen Dank, vielen Dank für das Gespräch.

00:31:47: Heute mit der Politikwissenschaftlerin Alexandra Sakaki.

00:31:50: Sie ist Expertin für Außen- und Sicherheitspolitik in Ostasien bei der SWP, der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin.

00:31:59: Mein Name ist Marli Nüller.

00:32:01: Über Feedbacks-, Anregungen- und Inputs freue ich mich.

00:32:05: Schreib mir einfach eine Mail auf geopolitikatnzz.ch.

00:32:11: Und wer noch mehr erfahren will über die wachsenden Spannungen in Ostasien, dem sei an dieser Stelle die Lektüre meiner geschätzten Kollegen von NCZ Pro empfohlen.

00:32:22: Den Link zum Abo findet ihr in den Shownotes!

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