250 Dollar: Todestrakt (5/5) - Die komplette neue NZZ-Serie zum Nachhören
Shownotes
Christian ist erneut inhaftiert – diesmal offiziell, in einem libyschen Abschiebelager. Dort gibt es für ihn nun zwei Möglichkeiten: Entweder, er stimmt seiner Abschiebung in seine Heimat Nigeria zu. Oder er bleibt dort, bis jemand Kaution für ihn zahlt. Journalist Alex muss sich entscheiden: Hilft er Christian nochmal? Oder sollte der einfach seiner Abschiebung zustimmen? Anders als bei den libyschen Menschenhändlern ist Christian hier erstmal nicht in akuter Lebensgefahr.
In Nigeria trifft Alex endlich auch Christians Bruder Chukwuka und erfährt mehr über die Kindheit der beiden, familiäre Gewalt und gescheiterte Ausreisepläne.
Anhand all dieser Infos müssen Alex und das Podcast-Team entscheiden, ob sie weiter das korrupte libysche System unterstützen wollen, indem sie Christian freikaufen. Doch dann ändert sich die Situation.
In fünf Folgen erzählt "250 Dollar" die Geschichte von Christian, der die Armut und Gewalt in seiner Heimat Nigeria hinter sich lassen will und von Europa träumt. Doch seine Reise endet abrupt in den Fängen libyscher Menschenhändler. Sein Kumpel, NZZ-Reporter Alex, steht auf einmal vor der Frage, ob und wie er Christian helfen kann.
Host: Alex Spoerndli, NZZ-Reporter und Dokumentarfilmer
In der NZZ hat Alex aufgeschrieben, wie das illegale Kautionssystem in Libyen funktioniert.
Diese Geschichte und den gesamten digitalen Content der NZZ kannst du dir mit einem Probeabo holen - 100 Tage für 10 Franken.
Redaktion und Regie: Dominik Schottner. Produktion und Story Editing: Sven Preger und Sarah Ziegler. Audio-Post und Sounddesign: Florian Steinbach, Ediz Kiracar und Yvan Brunner von Brauereisound in Zürich. Musikkomposition: Louis Edlinger Fotos: Vincent Haiges Grafik: Olivia Blum
Dank an: Mayan Msaed, Karin Wenger, Stella Männer, Julian Busch, Tobias Schreiner, Collin Mayfield und Jagoda Grondecka. Ausserdem: Riad Ayoube, Eden Bonibo und Killian Pfeffer.
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:14: Fargo hat eine Theorie.
00:00:17: Unser Kumpel Christian, den wir gerade erst vor wenigen Monaten aus den Händen von Menschenhändlern befreit haben, ist schon wieder inhaftiert.
00:00:25: Aber dieses Mal offiziell bei den liebischen Behörden.
00:00:29: Für ihn zu sein in einem Deportionskampion ist es nur die Menschen, die in den Seen kommen, Migranten, die in Italien gehen, oder Migranten, die von Nigerien bis Libyen kommen, die auf dem Desert kommen.
00:00:40: Das ist das,
00:00:42: was sie in den Deportionskampion bringen.
00:00:58: Eine schlechte Schmucklverbindung.
00:01:08: Eine richtig gute Connection kostet so etwa drei bis viertausend Dollar.
00:01:12: Dann kommt man auch wirklich an.
00:01:14: Die billigen Angebote sind riskant.
00:01:17: Boote, die sinken oder Schiffbruch erleiden.
00:01:21: In der kurzen Zeit, in der Christian frei war, konnte er maximal tausend Dollar verdienen.
00:01:27: Ich vermute, bei seiner Connection war die Küstenwache nicht bestochen.
00:01:34: Jetzt sitzt er in Dali-Essika ein, einem Deportationslager der libischen Regierung.
00:01:40: Zwei Wege führen von dort raus.
00:01:43: Weg eins, der Offizielle.
00:01:45: Er sitzt dort, bis er seine Ausweisung unterschreibt und nach Lagos abgeschoben wird.
00:01:52: Weg zwei, der Inoffizielle.
00:01:54: Fargo und ich bestechen einen Wachmann und der liefert uns Christian an die Haustür.
00:02:02: Fargo fühlt sich ausgenutzt.
00:02:04: Er hat Christian unter seine Fittiche genommen.
00:02:07: Und was macht er als Erstes?
00:02:09: Landet wieder im Gefängnis und ruft dann nach Hilfe.
00:02:12: Fargo sagt, der Junge brauche eine Lektion.
00:02:21: Nur wer soll ihm diese Lektion erteilen, fragt Fargo.
00:02:25: Er antwortet sich gleich selbst.
00:02:34: Ruf mich nicht
00:02:35: an.
00:02:36: Denk nicht bar dran.
00:02:37: Lösch meine Nummer aus deinem Gedächtnis.
00:02:44: Aber dann sagt er noch, er will Christian ein zweites Mal befreien.
00:02:55: Aber ich bin mir dann nicht so sicher.
00:03:03: Ich bin Alex Spörnglin, Journalist und Dokumentarfilmer.
00:03:07: Und das ist, zweihundertfünfzig Dollar.
00:03:10: Wie ich einen Menschen freikaufe.
00:03:13: Ein Podcast der NCZ und der Bruststiftung.
00:03:45: Wenn's und ich sitzen im Bus, auf dem Weg zu Tschupuka, Christians Bruder in Nigeria.
00:03:52: Wir wollen schon Kvukka sagen, dass Christian nicht tot ist, sondern Libyen in einem Gefängnis sitzt.
00:03:58: Denn mittlerweile hat die Vergangenheit, also der Libyen-Erzählstrang, die Gegenwart eingeholt.
00:04:04: Im Februar hatten wir Christian befreit.
00:04:06: Im Juli landete er in Tarisika.
00:04:09: Und dort sitzt er auch noch im Oktober, als Vincent und ich sein Bruder in Nigeria suchen.
00:04:15: Und den wollen wir fragen.
00:04:17: Wer ist sein Bruder?
00:04:20: Ah, ich sehe dich auch.
00:04:21: Wir kommen über.
00:04:23: All right, amazing.
00:04:27: Let me tell you the whole story of how we got here.
00:04:58: Ich erzähle Chokuka, wie es um seinen Bruder steht.
00:05:01: Er muss seit rund einem Jahr nichts mehr von ihm gehört haben.
00:05:07: Hätte sich mein Bruder so lange nicht gemeldet, ich würde denken, der sei tot.
00:05:14: Also erzähle ich Christians gesamte Geschichte, wie ich sie kenne.
00:05:18: Von dem Tag, als er aus Lagos weg ist, Bis zudem, als in die libysche Küstenwache ins Lager steckt.
00:05:34: Eine Sache lasse ich aber aus.
00:05:37: Die Mordanschuldigung.
00:05:39: Falls Christian tatsächlich seinen Vater mit einer Machete des Lebens nahm, erzählt mir Chukuka das besser selber.
00:05:47: Und dann erzählt mir Chukuka die Backstory, der Backstory.
00:05:51: Wie Christian als Kind war.
00:05:56: Joguka ist fünf Jahre älter als Christian.
00:06:02: Sie seien nur zu zweit gewesen, zwei Brüder.
00:06:05: Der Große passt auf den Kleinen auf.
00:06:16: Aber da sind familiäre Probleme.
00:06:28: Der Vater habe die Mutter umgebracht und zwei ältere Brüder.
00:06:33: Und dann fügt Schukuka noch hinzu.
00:06:35: Der Vater wollte auch Christian und ihn töten.
00:06:48: Schukuka legt sich aufs Bett.
00:06:50: Er zeigt, wie der Vater versucht habe, ihn zu erwürgen.
00:06:59: Der Vater sei teuflisch, sagt er.
00:07:02: Eine Art Hexer.
00:07:04: Nur, dass Hexerei in Afrika etwas anderes ist als in Europa.
00:07:08: Es ist eher ein spiritueller Glaube mit Ahnen, Dämonen, Geistern.
00:07:13: Viele glauben daran und es beeinflusst das Leben.
00:07:24: Auf meine Nachfragen sagt Shukuka, nein, die Mutter konnte man nicht retten.
00:07:29: Kein Geld für eine Nierentransplantation.
00:07:32: Medizinisch gesehen ist sie also vermutlich eher an einem Nierenversagen gestorben.
00:07:37: Es ist aber wichtig zu verstehen.
00:07:39: Shukuka glaubt an Witchcraft genauso, wie er an Gott glaubt.
00:07:44: Darum sieht er den Vater wirklich als Mörder.
00:07:59: Die Söhne verlassen nach dem Tod der Mutter das Dorf.
00:08:03: Das muss so im Jahr zwei Tausend Achtzehn, zwei Tausend Neunzehn rum sein.
00:08:07: Da ist Christian achtzehn oder neunzehn Jahre alt.
00:08:10: Er geht nach Lagos.
00:08:17: Er kommt mit quasi nichts an.
00:08:19: Nur mit den Klamotten, die er am Leib trägt.
00:08:22: Er schläft unter Autobahnbrücken und hasstelt.
00:08:37: Aber er ist intelligent.
00:08:39: Findet Arbeit bei einer Baufirma, lernt schnell, wird maurer.
00:08:43: Macht einen guten Job.
00:08:45: Er probiert seine Musikkarriere zu starten.
00:08:48: Erfolglos.
00:08:51: Und dann, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst,
00:09:05: im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst,
00:09:18: im
00:09:20: Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im Herbst, im
00:09:25: Herbst, Christian will seine Hälfte verkaufen.
00:09:28: Das Geld als Grundlage für ein Visum in die USA brauchen.
00:09:33: Chukuka unterstützt die Idee.
00:09:35: Etwas mehr als sieben Millionen Neira habe Christian wohl für das Lamp bekommen, sagte er.
00:09:40: Rund fünftausend US-Dollar.
00:09:42: Genug Geld für zwei Versuche, ein Visum zu bekommen.
00:09:55: Zuerst bewirbte sich für ein US-Visum.
00:09:58: Die Beamten fragen ihn über seine Pläne aus.
00:10:01: Aber er kennt niemanden und hat keinen Plan, wo er in den USA unterkommen soll.
00:10:06: Sie lehnen das Gesuch ab.
00:10:18: Ein zweiter Versuch, diesmal für die Vereinigten Arabischen Emirate, scheitert wohl aus den gleichen Gründen.
00:10:31: Dann muss Christian im Sommer zwanzig vierundzwanzig das Geld ausgegangen sein.
00:10:36: Und irgendein Schalter in seinem Kopf muss sich umgelegt haben.
00:10:45: Christian verschwindet, ohne irgendjemanden Bescheid zu sagen.
00:10:49: Packt seine Sachen, geht nach Norden Richtung Wüste.
00:10:52: Ab dann hört auch sein Bruder nichts mehr von ihm.
00:10:58: Mein Bild von Christian fügt sich zusammen.
00:11:02: Keine Zukunft im Land, nur eine halbherzige Ausbildung.
00:11:06: Ein Junge, der nach dem Tod der Mutter mit einem gewalttätigen Vater sehr schnell erwachsen werden muss.
00:11:12: Einer, der sieht, dass die Welt um ihn herum ungerecht ist.
00:11:16: und er deshalb mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisiert, dessen Naivität ihn immer und immer wieder betrügt.
00:11:24: Ein Junge, der überall an die gleiche systemische Glasdecke stößt.
00:11:28: Geld.
00:11:29: Geld, um in Lagos zu leben.
00:11:31: Geld, um eine Musikkarriere zum Laufen zu bringen.
00:11:35: Geld, um legal zu migrieren.
00:11:37: Überall brauchte er Geld, Geld, Geld.
00:11:41: In einer Gesellschaft, wo das Geld in den obersten Schichten versickert, und nicht so unterschiedlich durchdrückt.
00:11:47: Ein System, das ihm und Millionen anderen jeden Tag zuruft.
00:11:52: Du bist nichts wert.
00:11:55: Eine Welt, die er deswegen verlässt, illegal, durch die Wüste.
00:12:00: In der Hoffnung, mal etwas wert zu sein.
00:12:06: Wir sitzen zusammen auf Jukuka's Bett und schauen uns Fotos und Videos von Christian an.
00:12:12: Sogar den deutschen Trailer zum Dogfilm.
00:12:28: Jukuka will ein Foto seines Bruders sehen, auf der Reise in der Wüste.
00:12:33: Er will wissen, ob es ihm gut geht.
00:12:55: Es tut mir auf richtig Leid für meinen Freund.
00:12:58: Er wollte sich lediglich sein Traum erfüllen, wie wir das alle wollen.
00:13:02: Aber wie es aussieht, wird das nichts.
00:13:05: Er wird vermutlich irgendwann deportiert.
00:13:07: Zurück nach Nigeria, zurück auf Start.
00:13:29: Stand jetzt, sitzt Christian aber noch in Tari El Sika ein.
00:13:33: Und fahre und dich diskutieren, ob wir Christian nochmals befreien.
00:13:37: In meinen Augen hat sich im Vergleich zu ersten Haft aber einiges geändert.
00:13:52: Christian ist nicht in unmittelbarer Lebensgefahr.
00:13:55: Versteht mich nicht falsch.
00:13:57: Tari El Sika und andere liebische Deportationslager sind keine geilen Orte.
00:14:02: Mises Essen, knanlos überfüllt, Diskriminierung, Schläge.
00:14:07: Das Leben in Tari El Sika ist nicht würdevoll.
00:14:10: Aber immer noch besser als die Volte und Todescamps der Menschenhändler.
00:14:16: Und so hart es klingt, irgendwann wird Christian ausgeschafft.
00:14:20: Dann ist das Leiden auch vorbei.
00:14:22: Das ist der offizielle Weg raus aus Tari El Sika.
00:14:26: Ich versuche Fargo das klarzumachen.
00:14:50: Aber Fargo versteht nicht, was ich meine.
00:14:53: Er denkt, ich hätte ein Problem mit der Legalität der Geschichte.
00:15:09: Die Wörter sind alle korrupt, bis hoch zum Gefängnischef.
00:15:13: Das System ist komplett normalisiert.
00:15:16: Das sagt nicht nur Fargo, sondern sogar die UN, Thinktanks und Menschenrechtsorganisationen.
00:15:22: Libyen bekommt Geld von Europa.
00:15:24: Und zwar dafür, dass Immigrantinnen und Migranten auf den Straßen oder auf sie fangen.
00:15:29: Dann stecken sie sie in die staatlichen Deportationslager.
00:15:32: Dort sichern sich die schlecht bezahlten Werte einen Zuverdienst.
00:15:36: Gegen Kohle lassen sie die Inhaftierten wieder laufen.
00:15:40: Die kann die Küstenwache dann wieder einfangen, damit Libyen erneut europäische Gelder bekommt.
00:15:45: Balanceiert man es richtig, läuft das wie geschmiert.
00:15:52: Einen offiziellen zu bestechen ist nicht mein Problem.
00:15:56: Es wäre nicht einmal das erste Mal, dass ich das mache.
00:15:58: Den westliebischen Staat so hintergehen auch nicht.
00:16:01: Der ist in meinen Augen eh nur fragwürdig legteam.
00:16:04: Mein Problem ist er.
00:16:06: Ich will diesem Staat nicht in die Hand spielen.
00:16:09: Dieses erpresserische System nicht aufrechterhalten.
00:16:14: Also Christian das erste Mal freikauften, war es Nothilfe.
00:16:17: Jetzt wäre es Systemsubvention.
00:16:30: Fargo findet, ich hätte genug getan.
00:16:32: Auch wenn ich ihm dieses Mal nicht helfe, soll ich mir keine Vorwürfe machen.
00:16:45: Sorgen um Christian mache ich mir trotzdem.
00:16:48: Ich hoffe einfach für ihn, dass es eine Deportation schnell zustimmt und aus dem Lager rauskommt.
00:16:53: Vago glaubt aber, er werde das nicht tun.
00:17:10: Es sich zu seventy-sefzig Prozent sicher, dass Christian seinen Deportationsbefehl nicht unterschreiben wird.
00:17:19: Ist nicht hundert.
00:17:23: Doch dann, plötzlich, verschwindet auch Fargo von der Bildfläche.
00:17:28: Meine Nachrichten an ihn laufen ins Leere.
00:17:31: Auch sein Status und Sicherheitscode auf WhatsApp ändern sich.
00:17:34: Genau zu der Zeit, Mitte September, zwanzig, fünfundzwanzig, rollt in Libyen eine verstärkte politische Kampagne gegen Migranten an.
00:17:44: Auf Demonstrationen brüllen die Leute Libyen für Libyen.
00:17:48: Menschen werden diskriminiert, verhaftet, schikaniert.
00:17:52: Die Nigerianische Diaspora in Libyen ist deshalb in Aufruhr.
00:17:58: Und auch ich mache mir Sorgen.
00:18:00: Ich hoffe, Fargo ist nix passiert.
00:18:03: Es wird einige Wochen dauern, bis der Kontakt zu Fargo wieder steht.
00:18:07: So weise zum Beispiel nicht, dass Vincent und ich nach Nigeria fahren, um nach Christian Spuren zu suchen.
00:18:17: Dort in Nigeria holen wir uns Rat beim König der Gegend, aus der Christian stammt.
00:18:22: Und dieser König meinte ja, Christian sei verzweifelt, weil er das Land seines Vaters verkauft hatte.
00:18:35: Das hatte er uns in Episode Vier erzählt.
00:18:37: Wisst ihr noch?
00:18:38: Der Anruf während des Gottesdienstes?
00:18:49: Ohne ein Haus können Christian nirgends bleiben.
00:18:51: sollte er irgendwann nach Nigeria zurückkommen.
00:18:54: Dem König bewegt dieser Vorstellung und er kommt immer wieder darauf zurück.
00:18:59: Wie an dem Tag, als Vincent und ich in Christians und Chukukas Dorf waren, als ich Chief Sixthes und Christians Cousin unsere Geschichte vorgetragen habe.
00:19:08: Da wurde der König direkt.
00:19:12: Damals sitzen wir gemeinsam im Palast des Chiefs im Regierungshaus und der König meint,
00:19:18: Ich werde ihn direkt um den Passport zu bekommen.
00:19:28: Ich
00:19:39: werde meinen eigenen Unterstützung und Anwalt geben, damit er alles legitimiert wird und
00:19:53: geht.
00:19:53: Ich versuch, sie zu helfen.
00:19:54: Ich habe sie in London, Amerika, Japan, Südkorea, Australien.
00:20:03: Ich habe sie überall.
00:20:07: Nämit.
00:20:09: Sie sind überall in
00:20:15: der Welt.
00:20:16: Sie
00:20:16: arbeiten.
00:20:18: Sie senden Geld nach Hause.
00:20:21: Ich glaube ihm, dass er über seine Kontakte als Garant-Visa erleichtern kann.
00:20:25: Was ich ihm aber noch nicht richtig glaube, dass es auch für Christian tun würde.
00:20:34: Also du spielst halb, ich folge, ne?
00:20:37: Vincent und ich spielen Billiard, wie so oft abends auf Recherchen.
00:20:40: Wir spielen, machen ein Recap vom Tag, diskutieren.
00:20:48: Hier haben wir uns gefühlt, was bedeutet das für die Story, wie geht es weiter?
00:20:59: Ich sag dir auf dem geraden Tisch, wo die gut rollen, wär die rein.
00:21:02: Ja, irgendwie spät ich bisschen hackig hier, ne?
00:21:05: Ja, ne.
00:21:06: Dann war der in Kairou Besson.
00:21:08: Vincent versenkt eine Kugel von mir.
00:21:10: Bitte.
00:21:12: Danke.
00:21:14: Ich bekomme eine Nachricht von dem korrupten Wert in Tari El Sica, der, der uns Christian zurückverkauften wollte.
00:21:21: Aber es ist Fargo, der einfach das Handy des Wertes benutzt.
00:21:26: Er ist also tatsächlich auch im Abschiebelager gelandet, wie ich vermutet hatte.
00:21:31: Das ist so krass.
00:21:34: Ich hatte es nämlich vermutet, dass so was passiert ist.
00:21:38: Alter, ist der einfach in Tadeelzika?
00:21:40: Ich war gestorben und gerobt.
00:21:44: Alter, mein Gott.
00:21:48: Und dann hat er den gleichen Guard, weil das ist der.
00:21:50: Aber er schreibt von dem Guard oder was?
00:21:52: Ja, weil die nehmen ihm die Handys ab.
00:21:55: Ach, er ist jetzt gerade errestet?
00:21:57: Ja, ja.
00:21:59: Na ja, gut drei Wochen lang habe ich von Fargo nichts gehört.
00:22:03: Seit da sitzt er vermutlich ein.
00:22:05: Und nun muss er sich irgendwie Zugang zu diesem einen Werter verschafft haben, bei dem meine Telefonnummer abgespeichert ist.
00:22:12: Klingt wild.
00:22:14: Ist es auch.
00:22:15: Aber es stimmt.
00:22:17: Ach Mann.
00:22:19: Alter.
00:22:21: Ja, lass mal hier verschwinden.
00:22:31: Normalerweise geben die Werter den Gefangenen nur Handys, um Lösegeld aufzutreiben.
00:22:37: Vago nutzt das aber zu Kommunikation mit mir.
00:22:42: Er schreibt, er hätte bei seinem liebischen Arbeitgeber dreitausend Dinar deponiert.
00:22:46: Rund fünfhundert Dollar.
00:22:48: Mit denen will er sich frei kaufen.
00:22:51: Was er auch tut.
00:22:52: Fünf Tage später kommt er frei und meldet sich über Facebook.
00:22:56: Sein Handy hat er nicht zurückbekommen.
00:22:59: Er sagt, er sei in einem anderen Zellenblock als Christian gewesen.
00:23:03: Aber er hätte ihn jeweils bei den Gefangenentzählungen morgens und abends gesehen.
00:23:17: Fargo hat im Gefängnis nachgeforscht, was mit Christian geschehen ist.
00:23:22: Christian habe versucht abzuhauen.
00:23:24: Die Wärter hätten ihn aber vom Zaun gepflückt und daraufhin zu brei geprügelt.
00:23:46: Seit da huste er Blut.
00:23:48: Außerdem hätte er stark an Gewicht verloren.
00:23:51: Und er sitze nun in Einzelhaft.
00:24:03: Fargo denkt, dass Christian bis zur nächsten Deportation nicht überlebt.
00:24:09: Fargo hat ja für ein paar Jahre Medizin studiert.
00:24:12: Außerdem ist er normalerweise ziemlich nüchtern und realitätsnah.
00:24:16: Aus Berichten von Menschenrechtsorganisationen, der UN und den Aussagen von Ex-Gefangenen weiß ich, die Gesundheitsversorgung in Tariel-Sicker ist sehr schlecht.
00:24:26: Und manchmal sterben Menschen daran.
00:24:29: Fargo meinte mal, Wenn du in einem Detention Camp stirbst, hast du Glück, wenn deine Botschaft überhaupt davon erfährt.
00:24:37: Ich nehme seine Einschätzung ernst und muss meine Entscheidung überdenken.
00:24:47: Die ersten, die ich nach Christians Familie informiere, ist die Redaktion.
00:24:51: Denn mittlerweile produzieren wir ja diesen Podcast.
00:24:54: Und im Gegensatz zu meiner ersten Rettungsaktion ist Christian jetzt nicht mehr Protagonist einer abgeschlossenen Geschichte, sondern wieder Teil einer laufenden.
00:25:03: Wenn wir hier eingreifen, beeinflussen wir die Geschichte.
00:25:07: Ich schildere also, was Fargo mir erzählt hat.
00:25:10: Und gebe offen und ehrlich zu, ich würde ihm gerne helfen.
00:25:16: Zuerst antwortet Dominic, mein Redakteur.
00:25:20: Dann sah er uns wenn, die Produzenten.
00:25:24: Sie sind skeptisch.
00:25:26: Ob die Information verifiziert sei?
00:25:28: Gehe es Christian wirklich so schlimm?
00:25:31: Oder sieht Fargo hier eine Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen?
00:25:35: Vielleicht schreiben sie, sei sie auch ein Scam.
00:25:39: Und ich muss zugeben, da ist was dran.
00:25:42: Die ganze Geschichte steht auf wackeligen Beinen, im Spagat quasi.
00:25:47: Denn meine zwei Quellen sagen komplett unterschiedliche Dinge.
00:25:51: Fargo meint, der stirbt gleich, keine Zeit verlieren.
00:25:56: Meine zweite Quelle ist der korrupte Werter.
00:26:09: Er sagt, Christian gehe es gut.
00:26:12: Er sei nur ein bisschen krank.
00:26:14: Also auf dieser Seite kein Notfall.
00:26:19: Wenn die Aussagen von Quellen so weit auseinander liegen, liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen.
00:26:26: Aber wo genau?
00:26:29: Wir sind ein seriöses Medium, keine gerüchtige Küche.
00:26:33: Um eine Verifizierung kommen wir also nicht herum.
00:26:36: Halten wir uns nicht daran, geht er auf der gesamten Branche den Bach runter.
00:26:41: Ganz zu schweigen von dem der NZZ.
00:26:43: Und der erste Kopf der Rollt wäre vermutlich meiner.
00:26:48: Ich vertraue Fragung.
00:26:49: Er ist mein Fixer und Kollege.
00:26:52: Aber die Redaktion ist da absichtlich davon abgesetzt.
00:26:55: So garantieren wir, dass Informationen nicht ungeprüft veröffentlicht werden.
00:27:01: Dem Werter vertraue ich weniger.
00:27:03: Er hat ein klares, finanzielles Motiv für seine Aussagen.
00:27:06: Er will mir Christian verkaufen.
00:27:09: Aber auch er hat mich bisher nicht angelogen.
00:27:11: Wir brauchen also eine dritte Quelle.
00:27:16: Jetzt kann man sich zurecht fragen, was ist denn der Unterschied zum ersten Mal?
00:27:20: Woher wusste ich damals, dass Christian wirklich eingesperrt war und nicht einfach abends mit ein paar Kumpels gesagt hat?
00:27:27: Diesen Journalisten, den nehmen wir jetzt aus.
00:27:31: Dort haben mir mehrere Leute genau die gleiche Geschichte erzählt.
00:27:35: Christian, die Schmuggler, Fargo, der Bruder der zweiten Geißel.
00:27:39: Die Informationen kann man aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen.
00:27:45: Und vor allem, dort hatte ich ein Bild.
00:27:48: Erinnert ihr euch an das dunkle Selfie, das mir Christian in Episode II geschickt hat?
00:27:53: Dieses Bild zusammen mit seiner Stimme bewies.
00:27:56: Ich habe es tatsächlich mit Christian zu tun.
00:28:00: Und das ist das, was meine Kolleginnen und Kollegen an diesem Abend wollen.
00:28:04: Ein aktuelles Bild von Christian aus dem Gefängnis.
00:28:19: Ich erkläre Fargo, dass wir ein Bild brauchen, etwas, das uns Christians Gesundheitszustand zeigt.
00:28:40: Fargo hält ein Bild für schwierig.
00:28:42: Telefone gibt es für Gefangene nur, um ihre Lösegelder zu organisieren.
00:28:46: Also so, wie sich auch Fargo bei mir gemeldet
00:28:50: hat.
00:28:58: Die Gefahr für die Werte ist zu groß.
00:29:00: Irgendjemand könnte so ein Foto an die UN oder Amnesty International
00:29:04: schicken.
00:29:07: Und damit wüssten alle über die Menschenrechtsverstöße und die Lösegelder Bescheid.
00:29:15: Deshalb
00:29:16: sagt der Werter.
00:29:22: Foto, vergiss es.
00:29:24: Handys, verboten.
00:29:26: Aber ohne Bild geht nichts.
00:29:29: Und Fargo fühlt sich deshalb angegriffen.
00:29:42: Er hätte Christian mit seinen eigenen Augen gesehen.
00:29:45: Langsam fände er die Sache kindisch.
00:29:48: Fago fragt, ob er mich jemals angelogen habe, ob er jemals einen Auftrag nicht erfüllt habe, ob er jemals Geld hinterzogen habe.
00:29:56: Die Antwort?
00:29:57: Nein, nein, nein.
00:30:05: Er ist enttäuscht, dass die Redaktion ihm nicht glaube.
00:30:15: Aber vor allem sei er enttäuscht von mir, weil ich doch Libyen und die Situation dort kenne.
00:30:29: Und dann sagt er, für ihn sei klar, dass wir ihm nicht mehr vertrauen.
00:30:53: Das Problem ist ja nicht, dass ich ihm nicht vertraue.
00:30:57: Aber so funktioniert das halt.
00:30:59: Das ist der Mechanismus.
00:31:01: Wir müssen das verifizieren.
00:31:03: Wir verifizieren es gerade weil wir es ihm glauben.
00:31:07: Das ist die größte Unterschiede zwischen dann und jetzt.
00:31:12: Dann war es private.
00:31:13: Es wurde nur später eine Geschichte.
00:31:26: die sich ebenfalls für echte, stichhaltige Information einsetzen.
00:31:49: Wir sprechen hier über Entscheidungen, die echte Konsequenzen nach sich ziehen.
00:32:00: Ich wünschte, ich müsste sie nicht treffen.
00:32:10: Ich wünschte, ich könnte einfach nochmal aushelfen, ohne mir beruflich ins Knie zu schießen.
00:32:27: Ich wünschte auch, dass nicht wegen mir noch ein Mensch in Libyen in der Wüste verschad wird.
00:32:32: Aber das sind Wünsche, nicht die Realität.
00:32:49: Egal, was ich tue, es kann nur falsch sein.
00:33:07: Ich habe unseren korrupten Werte an der Strippe.
00:33:10: Fargo hat uns direkt den Kontakt gebracht.
00:33:13: Nach zwei Wochen Stillstand in den Verhandlungen um Christian wird es meinem Fixer langsam zu bunt.
00:33:18: Ich solle ihn selbst anrufen.
00:33:21: Denn wir behanen immer noch auf dem Bild.
00:33:23: Und der Werter will uns immer noch keins schicken.
00:33:26: Mit dem immer gleichen Argument.
00:33:36: Es dürfen im Gefängnis keine Bilder gemacht werden.
00:33:40: Oder besser gesagt, sie dürfen nicht nach draußen bringen.
00:33:43: Aber alle anderen Wege, um Christians Gesundheitszustand zu verifizieren, sind erschöpft.
00:33:49: Die nigerianische Botschaft ignoriert mich.
00:33:52: Eine NGO, die in Tari El Sica arbeitet, ebenfalls.
00:33:57: Selbst ein hohes Tier bei der Gefängnisverwaltung meldet sich nicht zurück.
00:34:01: Eine große Front der Stille.
00:34:05: Der Werter muss mir ein Bild schicken.
00:34:08: Das weiß auch er.
00:34:09: Denn sonst geht der Deal nicht weiter.
00:34:11: Was er aber nicht weiß.
00:34:14: Er hat einen Fehler gemacht.
00:34:17: Und ich habe ihn an den Eiern.
00:34:22: Er hat Fargo nämlich am Vortag ein Bild geschickt.
00:34:26: Mit der Erklärung, dass Christian da im Hintergrund hocke.
00:34:40: Nur, das Bild zeigt gar nicht Christian, sondern irgendwelche anderen Migranten in irgendeinem Gefangenenlager.
00:34:48: Und der Werter hat das auch nicht selbst gemacht, sondern von Facebook runtergeladen.
00:34:53: Dort wurde das Bild bereits im Jahr zwei tausend neunzehn gepostet.
00:34:57: Und das ist der Grund, warum ich ihn eigentlich anrufe.
00:35:01: Ich will von ihm hören, wie er mich anlügt.
00:35:09: Ich spreche ihn auf das Bild an.
00:35:13: Er meint, da wären so viele Leute im Raum gewesen.
00:35:16: Alles recht riskant und eine Ausnahme.
00:35:19: Blablabla.
00:35:20: Aber ja, er hätte das Bild gemacht.
00:35:32: Er sagt, dieses Bild sei alles, was er hingekriegt hätte.
00:35:36: Bingo.
00:35:38: Das Bild beweist uns zwei Dinge.
00:35:41: Erstens, dass sich der Wert dann nicht zu schade ist, uns an der Nase herumzuführen.
00:35:46: Seine eh schon angeschlagene Glaubwürdigkeit ist gerade KO gegangen.
00:35:51: Zweitens wirft das folgende Frage auf.
00:35:54: Warum macht er sich den Aufwand, extra ein einigermaßen plausibles Bild auszugraben, obwohl er selbst sagt, dass es in Ausnahmefällen möglich sei, eins zu machen?
00:36:04: Das macht doch keinen Sinn!
00:36:07: Außer, Er kann kein Foto machen, weil es Christian so schlecht geht.
00:36:11: Oder weil er schon tot ist.
00:36:14: Wenn ich den Wert auf Frage, wie es Christian geht, sagt er normalerweise... Nein, nein, er lebe.
00:36:23: Er ist nur ein bisschen krank.
00:36:28: Oder er sagt... Drinnen seien alle ein bisschen krank, weil Essen eklig, Ort dreckig, Schlaf schlecht, aber grundsätzlich ist Christian gut.
00:36:47: Klar, für den Wert ist das normal.
00:36:49: Für außenstehende wie die UN aber nicht.
00:36:52: Sie bezeichnet die Situation in dem Gefängnis als systemisch, absichtlich und entsetzlich.
00:37:00: Und die UN sind sonst eigentlich nicht für ihre reißerische Wortwahl bekannt.
00:37:07: Auch wenn ihr Christians Zustand immer noch nicht kennen.
00:37:10: Unsere Sorge wächst, dass Fargo Recht hat und Christian im Gefängnis stirbt.
00:37:16: Deshalb treffen wir im Podcastteam eine Entscheidung, ganz privat.
00:37:20: Leben for Story, wir intervenieren, zahlen das Lösegeld zum zweiten Mal.
00:37:28: Die Abläufe sind eingespielt.
00:37:30: Fargo erhält das Geld noch am selben Tag in Tripolis.
00:37:34: Drei Tausend Fünfhundert Dinar Lösegeld, Fünfhundert für einen Arztbesuch, wenn Christian rauskommt.
00:37:40: Alles in allem rund sechshundert Dollar.
00:37:44: Aber dann haben wir ein unerwartetes Problem.
00:37:47: Wir finden Christian nicht.
00:37:51: Fargo durchsucht jede einzelne Zelle in Tari El Sica.
00:37:54: Aber nichts.
00:37:56: Keine Spur von Christian.
00:37:58: Wir fragen bei der Lagerleitung nach.
00:38:02: Die sagt, wegen Überfüllung seien einige Heftlinge in andere Lager verlegt worden, darunter auch Christian.
00:38:09: Wo genau, wissen sie nicht.
00:38:10: Wir suchen auch in diesen Lagern, ebenfalls ohne Erfolg.
00:38:17: Libyen hat Christian verloren.
00:38:19: Wortwörtlich.
00:38:22: Es ist das Grundproblem der Lager in Libyen.
00:38:25: Sie sind Blackboxes.
00:38:27: Gefängnisakten, falls sie denn existieren, können wir nicht einsehen.
00:38:33: Niemand weiß, wer in welcher Zelle sitzt.
00:38:36: Oder wer da ist und wer nicht.
00:38:40: Es wird lediglich am Morgen und am Abend durchgezählt.
00:38:43: Sind es noch gleich viele?
00:38:45: Und einmal täglich schmeißt man einen Trog Makaroni in die Hallen.
00:38:49: In der Hoffnung, dass keiner verhungert.
00:38:53: Das ist die libische Abschiebehaft.
00:38:56: Das ist unsere europäische Grenzauslagerung.
00:39:00: Letztlich ist es diese Auslagerung.
00:39:02: wegen der ich schon zweimal Geld, Ruf und Integrität auf den Tisch legen musste.
00:39:08: Für etwas, das eigentlich unantastbar wäre, ein Menschenleben.
00:39:15: Wir als Journalisten und Privatpersonen sollten eigentlich nicht über Leben und Tod entscheiden müssen.
00:39:23: Aber trotzdem müssen wir es, weil wir uns hier ein System zusammengezimmert haben, in dem ein Menschenleben wenige hundert Dollar kostet, aber eigentlich nichts wert ist.
00:39:37: Es ist inzwischen Mitte November, zwanzig fünfundzwanzig.
00:39:41: Redaktionsstoß für diese Serie.
00:39:43: Wir wissen immer noch nicht, wo Christian ist oder wie es ihm geht.
00:39:48: Gut möglich, dass wir zu spät kamen und Anthony Assica gestorben ist.
00:39:53: Ich suche ihn natürlich weiter.
00:39:55: Halt einfach nicht in diesem Podcast.
00:39:59: Ich wünsche mir, dass seine Geschichte noch weitergeht, dass sie vielleicht ausnahmsweise mal irgendwo eine Wendung zum Guten nimmt.
00:40:10: Ich hoffe, dass das wenigstens in Fargo's Geschichte passiert.
00:40:15: Mitte Februar, zwanzig fünfundzwanzig, einige Tage, bevor Christian sich in Sabha auf den Weg macht und von seinen Schmugglern zum ersten Mal eingesperrt wird, schickt mir Fargo folgende Sprachnachricht.
00:40:38: Vorgo hat die Schnauze voll von Libyen.
00:40:41: Er hat lange genug als Tagelöhner von der Hand in den Mund gelebt.
00:40:45: Er verschwände hier nur seine Zeit.
00:40:58: Er
00:41:03: möchte zurück in die Wissenschaft, vielleicht sein Medizinstudium beenden oder was Neues studieren.
00:41:19: Und klar, Geld verdienen.
00:41:22: Denn von ihm hängen einige Leute ab.
00:41:24: Sein Kind, seine Frau, seine Mutter.
00:41:28: Eigentlich müsste Fargo mit seiner Erfahrung, seinem Wissen und seiner Intelligenz für Nigeria im diplomatischen Dienst in Libyen arbeiten.
00:41:38: Oder als Berater in einem Think Tank für organisierte Kriminalität oder Menschenhandel.
00:41:43: Oder für eine NGO, die einen Experten für Libyen braucht.
00:41:47: Oder als Journalist, da wäre er auch ziemlich gut drin.
00:41:52: Aber Fargo schuftet immer noch als Maurer auf dem Bau in Tripolis.
00:41:57: Sein Potenzial?
00:42:00: Übersehen.
00:42:01: Vergeudet.
00:42:02: Könnt ihr Fargo helfen?
00:42:10: Habt ihr Fragen, Anregungen oder Feedback zum Podcast?
00:42:14: Schreibt mir eine Mail an.
00:42:17: Das war ZweihundertfünfzigDollar.
00:42:27: Eine Produktion der NCZ der neuen Zürcher Zeitung und der Broststiftung.
00:42:32: Recherchiert, geschrieben und erzählt von mir.
00:42:35: Alex Spörnglin.
00:42:38: Redaktion Dominic Schottner.
00:42:41: Regie machen wir beide gemeinsam.
00:42:45: Produktion und Story Editing von Sven Preger und Sarah Ziegler.
00:42:50: Audio Post und Sounddesign Flo Steinbach, Edi Skiracar und Ivan Brunner vom Brauereißound in Zürich.
00:42:59: Die Musik hat Louis Edlinger komponiert und eingespielt.
00:43:03: Die Fotos sind von Vincent Heiges und die Grafik von Olivia Bloom.
00:43:08: Herzlichen Dank an Mayanem Said, Karin Wenger, Stella Manner, Julian Busch, Tobias Schreiner, Colin Mayfield und Jagoda Grondetzka.
00:43:19: Außerdem Riyad Ayubi, Iden Bonibo und Kilian Pfeffer.
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