Gold, Waffen und alte Wunden: warum der Krieg im Sudan nicht gestoppt wird

Shownotes

Obwohl der Krieg im Sudan im grössten humanitären Desaster unserer Zeit versinkt, liegt selbst eine Waffenruhe in weiter Ferne. Für diesen Konflikt gebe es zu wenig Erfahrungswerte, sagt die Politologin Hager Ali im Podcast.

Heutiger Gast: Hager Ali, Politologin am Giga-Institut in Hamburg Host: David Vogel

Wie Drohnen den Krieg im Sudan verändert haben, liest du hier

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Transkript anzeigen

00:00:00: Dieser Podcast wird präsentiert von Luzerna Sinfonieorchester.

00:00:04: Mehr als ein Klavierfestival.

00:00:06: Le Piano Sanfonique bringt den Luzern weltklasse Pianisten wie Marta Archeric mit dem Luzerna Sinfonieorchester zusammen.

00:00:18: Man kann nicht sagen, wir wüssten nicht, was ihm so dann passiert.

00:00:29: Da ist zum Beispiel Abu Lulu.

00:00:31: Ein

00:00:31: Kämpfer der RSF Militz, er heißt mit vollem Namen Alfatech Abdullah Idris und ist Brigadegeneral der RSF.

00:00:42: Und das weiß ich, weil Abululu kein Geheimnis daraus macht, wie er heißt und was er macht.

00:00:47: und vor allem macht er kein Geheimnis aus seinen Gräuelt

00:00:50: haben.

00:00:56: Auf seinem TikTok-Account sind diese schrecklichen Bilder zu sehen und zu hören.

00:01:02: Lessig steht Abululu da.

00:01:04: gerinst und exekutiert ein Dutzend Menschen aus nix der Nähe.

00:01:14: Wir wissen, was ihm so dann passiert.

00:01:16: Zum Beispiel in der Stadt El Fasher in der Provinz davor Ende Oktober.

00:01:20: El Fasher wurde fünfhundert Tage lang belagert, bevor am sechsunzwanzigsten Oktober RSF Milizen die Stadt erobert haben.

00:01:28: Sie exekutierten Flüchten der Zivilisten und vergewaltigten die Frauen.

00:01:32: Allein in einer Geburtsklinik wurden über vierhundert Menschen hingerichtet.

00:01:38: Der Krieg im Sudan ist laut der UNO das größte humanitäre Desaster unserer Zeit und das Morden geht immer weiter.

00:01:46: Frau Ali, warum?

00:01:48: Warum lässt die Welt dieses Morden einfach zu?

00:01:52: Es ist eine gewisse Normalisierung dieses Leides, dass wir im Sudan haben, dass viele vielleicht auch gar nicht wissen, dass sich im Sudan da ein ganz neuer Krieg abspielt und dass wir keine Fortsetzung eines alten Bürgerkrieges haben.

00:02:06: Und das nimmt so ein bisschen den Aktualitätsbezug für viele.

00:02:09: Und die Wahrnehmung, dass sich da gerade etwas abspielt, dass es so in der Form und auch in der Brutalität vielleicht auch gar nicht gegeben hat.

00:02:19: Das ist NSZ-Geopolitik, das große Ganze verstehen.

00:02:23: Seit bald drei Jahren bekämpfen sich auf brutalster Art und Weise zwei Armeen im Sudan auf Kosten der Zivilisten.

00:02:30: Warum es so schwierig ist, die Waffen zum Schweigen zu bringen, erklärt uns Hager Ali.

00:02:35: Sie ist Politologin am Giga-Institut in Hamburg und dahin krisiert sie ganz herzlich.

00:02:43: Ich möchte das gleich aufgreifen, was Sie gesagt haben, Stichwort Normalisierung, Stichwort neuer Alterkonflikt, alter neuer Konflikt, weil so ist es mir auch ergangen, als ich von Sudan und vor allem von Dafur jetzt wieder gehört habe.

00:02:59: Dafur, das war mal ein Riesenthema in den Nullerjahren.

00:03:08: Ganz Hollywood hat sich dafür eingesetzt, unter anderem George Clooney, der ist sogar im UN-Sicherheitsrat aufgetreten.

00:03:18: Das war das im Jahr und hat die Staaten dringend zum Handeln aufgerufen, weil dort ein Völkermord stattfände.

00:03:48: Diese Rede ist fast zwanzig Jahre alt.

00:03:51: Und jetzt steht davor unter Sudan wieder in den Schlagzeilen.

00:03:55: Die Prominenten, die sind gar nicht erst aufgetaucht dieses Jahr, sind denn die Probleme, aber die gleichen, also die Frontlinien?

00:04:05: Ja und nein, es überlagern sich mit der neuen Gewalt auch wieder alte Probleme, die wir da haben, aber die Beweggründe, die Motivation, vielleicht auch das Vorgehen und auch der Umstand, dass wir das jetzt im Livestream mitverfolgen können.

00:04:20: Das ist auf jeden Fall neu.

00:04:23: Auf dem Papier ist ja die Konstellation relativ einfach.

00:04:27: Wir haben auf der einen Seite die reguläre sudanesische Armee mit Albuhan an der Spitze.

00:04:35: Auf der anderen Seite eine paramilitarische Kraft, die Rapid Support Forces, RSF, geführt von Mohamed Hamdan Daglo.

00:04:45: Aber insbesondere die RSF ist für mich irgendwie ein Rätsel, ist Abululu, den wir am Anfang erlebt haben, exemplarisch für die RSF.

00:04:57: Genau, in dem Kampf haben wir ja die sehr ungewöhnliche Konstellation, dass wir eine reguläre Streitkraft, die suranisische Armee und die paramilitarischen Rapid Support Forces haben.

00:05:07: Und Abolulu ist ein ganz guter Startpunkt, um die Rapid Support Forces ein bisschen besser zu verstehen.

00:05:13: Es ist eine paramilitarische Kraft, die ... Rassistisch vorgeht in Darfur, die aber auch mehr tut, als nur die Bevölkerung zu unterdrücken.

00:05:26: Sie beutet Ressourcen aus in Darfur.

00:05:29: Sie kämpft, um den Zugang zu wichtigen Grenzübergängen, um die erbeuteten Ressourcen nach Außenschmuggeln zu können und gleichzeitig aber auch weiterhin Waffen in das Land kriegen zu können.

00:05:42: Rapid Support Forces sind in ihrer Größe recht ungewöhnlich.

00:05:46: Wir haben ja im Sudan ein Land mit einer sehr langen Putschgeschichte.

00:05:50: Viele wissen glaube ich gar nicht, dass ... der Sudan das putschanfälligste Land auf dem afrikanischen Kontinent ist, mit mehr als siebzehn Versuchen seit den neunzehnten Hundert fünfzigern.

00:06:00: Und jeder, der an die Macht kommt durch einen Kuh, muss sich durch Kuhs absichern.

00:06:06: Und die Rocket Support Forces sind eine Maßnahme gewesen, mit der das unangefochten Machtmonopol der sudanisischen Streitkräfte künstlich gesplittet werden sollte.

00:06:18: Die Rapid Support Forces standen im Verhältnis zur zentralen Regierung, um den Arm der zentralen Regierung in die Darfur-Region zu verlängern, ohne wirklich zu integrieren, ohne die Bevölkerung zu repräsentieren.

00:06:32: Es ging um einseitige Kontrolle, um Unterdrückung und um Ausbeutung.

00:06:37: Und genau dafür stehen die Rapid Support Forces.

00:06:41: Also das heißt, wir haben politisch gewollt eine Konkurrenzsituation zwischen zwei Armee-Fraktionen, um einen Putsch im Sudan zu verhindern.

00:06:51: Das erinnert ja ein bisschen an die Philosophie von Putin, der ja mit den Wagner-Truppen auch ein Gegengewicht zur regulären russischen Armee schaffen wollte.

00:07:00: Genau.

00:07:01: Ich möchte aber noch kurz ein Moment in der Vergangenheit bleiben.

00:07:05: Bei dieser Konstellation es gab ja einen Moment der Hoffnung.

00:07:12: Das ist noch nicht so lange her, der Sudan wird eine Demokratie.

00:07:16: Genau, im Jahr zwei Jahrzehnte wurde Omar Bashir zunächst sowohl von Abd al-Fatah al-Bohan als auch Daglod, den Kommandeur der Rapid Support Forces, gemeinsam erst mal gestürzt.

00:07:28: Und was zunächst auf der Agenda stand, war eine demokratische Transition.

00:07:32: Der Sudaner hatte schon mal demokratische Episoden.

00:07:35: Das war so die dritte kurze versuchte demokratische Episode, wo sowohl die RSF als auch die Sudanern am Force es noch gemeinsam mit einer zivilen Regierung versuchten, einen ganzen Staat quasi zu rekonfigurieren.

00:07:49: Das ganze alte Regime wurde ausgegrenzt und es sollte vor allem auch der Sicherheitssektor reformiert werden.

00:07:56: Und da hatte man zunächst das Augenmerk auf, gerade Polizei und Geheimdienste, weil man da sehr viele Loyalisten vermutet hatte.

00:08:04: Und die Zusammenarbeit funktionierte mit Zivilisten auch nur so lange, bis es wirklich an die wirtschaftlichen Interessen, sowohl der Streitkräfte als auch der RSF geht.

00:08:12: Stichwort natürlich Gold und die Verwebung mit Gold.

00:08:16: Was dann aber wirklich zum Bruch zwischen den beiden geführt hatte, war die Sicherheitsreform, dass die Rapids Support Forces in die reguläre Streitkraft integriert werden sollte.

00:08:26: Um mit dieser Regenfiguration gab es eine recht einmalige Chance, die politische Rolle der Rapids Support Forces im Land ganz neu zu definieren.

00:08:35: Und entsprechend stand bei dieser Reform für beide extrem viel auf dem Spiel, dass man nun eine einmalige Chance hatte, oft von Seiten der Sudanarm-Forces ein wichtiges Push-Risiko ganz zu eliminieren, ohne aber auch die Ressourcen der Rapid-Support-Forces verlieren zu müssen.

00:08:52: Und für die Rapid-Support-Forces natürlich den Griff zur Macht, der damit möglich geworden ist.

00:08:58: Und als damit keine Einigungen erzielt werden konnte, kam es im April, als Sie sich zur Eskalation als entgegen der Befehlskette kämpfer der Rapper zu Portfosses und Traktumen aufgezogen sind, um Al-Bohan zu stürzen.

00:09:13: Und von da aus breitete sich die Dickwald aus.

00:09:16: Aber das heißt, es ist kein ethnischer Konflikt, es ist kein politischer Konflikt, wenn man so will, also mit Ideologie oder mit einem unterschiedlichen System, sondern es geht schlicht und einfach um die Macht.

00:09:28: Es startete als Machtkampf, hat jetzt aber diese ethnische Dimension bekommen, durch die Art und Weise, wie gesellschaftliche Gruppen im Sudan verteilt sind, was sich da überlagert und wo auch zu dieses große Eskalations- Potenzial in davor herkommt, ist nämlich, dass die arabischstämmige Bevölkerung, die diese viel von dem Regime und auch von dem Wohlhaben, das durch die Ressourcenwirtschaft sich akkumuliert hatte, die direkt davon Benefiz gezogen hatten, die sind um die Hauptstadt herum konzentriert, gerade um die Obanenzenten, woin?

00:10:06: gegen aber die Minderheiten des Landes, wie mehr in davor konzentriert sind.

00:10:10: Und das sind die Fuhr, die Masalit und diese Rauer.

00:10:13: Und genau gegen diese Minderheiten gehen die RSF-Milizen, die Arabischstammig sind, vor.

00:10:21: Genau.

00:10:22: Das Erstaunliche dabei ist, beide sind Muslime.

00:10:28: Korrekt.

00:10:28: Denn die Minderheiten, die wir da vorhaben, sind selbst auch muslimisch.

00:10:32: Aber in der rassistischen Ideologie der Rabbit Support Forces wird ihnen ein Dazugehörn zum Sudan und ein Dazugehörn zur sudanesischen Identität.

00:10:42: durch ihren afrikanischen Ursprung abgesprochen.

00:10:45: Man hat auf diese fälschliche Annahme, dass man arabisiert sein muss, um korrekt den Anführungszeichen muslimisch sein zu können.

00:10:54: Und dieser Identitätsbruch zwischen sudans-afrikanischer Identität Und Söder ans arabische Identität ist es beides.

00:11:04: Das wird von den Rapids Support Forces jetzt gegen diese Minderheiten instrumentalisiert, um ihnen die Zugehörigkeit abzusprechen, um auch ihren Glauben zu invalidieren und auch zu trivialisieren.

00:11:17: Was natürlich auffällt ist, dass der Krieg im Sudan in der muslimischen Community, wie soll ich sagen, sicher betroffen macht, aber es gab jetzt keine Demonstrationen in den Innenstädten gegen den Krieg im Sudan, wie zum Beispiel gegen den Krieg in Gaza.

00:11:35: Absolut.

00:11:36: Das geht auf den Ursprung zurück, dass es ein inpolitischer Konflikt ist, dass das sehr etwas sehr verschachtwildes ist, etwas mit zivilmilitarischen Beziehungen zu tun hat.

00:11:46: Und wir jetzt auf eine Situation schauen, in der wir nicht zwischen einem Kampf, zwischen Demokratie und Autokratie so wirklich unterscheiden können oder eine Partei, die besser ist als die andere.

00:11:58: Wir haben einen Kampf gegen das Erbe von militärischen Diktaturen im Sudan versus eine Zukunft, die potenziell noch viel schlimmer ist mit genuzidalen Taktiken.

00:12:10: Und das macht es so schlimm, dass es sehr schwer ist, sich damit zu identifizieren.

00:12:15: Es macht es schwer, das auch zu frameen und für jemanden, der wenig Hintergrund hat, Potenzial-Content zu produzieren.

00:12:22: Es ist

00:12:23: keine David gegen Goliath-Konstellation.

00:12:25: Genau, genau.

00:12:26: Wir haben ... Kein Gut und Böse im klassischen Sinne, keine zwei Staaten im klassischen Sinne, auch alleine der Umstand, dass wir eine paramilitärische Kraft haben.

00:12:36: Die zahlenmäßig fast so groß ist wie eine Streitkraft.

00:12:39: Es ist etwas, das sehr ungewöhnlich ist, das man auch unter anderen Ländern mit einer langen Kupgeschichte eigentlich vermeiden kann.

00:12:46: sollte, möchte und wir da auch zu Beginn des Krieges keinen richtigen Begriff dafür hatten für das, was wir gerade im Sudan sehen.

00:12:55: Dazu kommt ja, dass wir haben rund ein Dutzend Staaten, die irgendwie finanziell, militärisch in diesem Konflikt verbandelt sind.

00:13:07: Darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und auf der anderen Seite Iran und die Türkei.

00:13:13: Was ist das übergeordnete Motiv aller?

00:13:16: Länder, dass sie sich überhaupt da hineinreißen lassen?

00:13:20: Eines davon, das muss man leider sagen, ist Gold.

00:13:23: Gold nicht nur, weil es an und für sich wertvoll ist, sondern Gold auch weiß eine sogenannte sanktionsresistente Währung ist.

00:13:31: Es ist eine Währung, die man unabhängig von wirtschaftlichen Sanktionen, von Bankkonten benutzen kann, die man in einem gewissen Tauschhandel auch vor Ort benutzen kann, mit der man sich unabhängig macht.

00:13:44: Und das ist gerade... für Russland eine sehr große Motivation gewesen, sich auch in Kooperation mit den Vereinigten Arabischen Emiraten im Sudan einzubringen.

00:13:54: Und die Wagner-Gruppe hatte vor Kriegsbeginn ja auch schon eine Präsenz in Sudan und war in den Goldhandel involviert bzw.

00:14:03: in der Förderung oder sollte ja Ausbeutung von Gold sagen, dass sie für ihre eigenen Einkommensströme mit benutzt haben, auch teilweise unabhängig von Moskau.

00:14:13: Und da bot es sich eben an.

00:14:16: gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten sich in dieser Schattenwirtschaft um das Gold einzubringen.

00:14:21: Denn wir wissen auch, dass die Vereinigten Arabischen Emiraten eine der größten Goldexportüre sind, selber aber wenig Goldverkommen im Land haben.

00:14:30: Das muss irgendwo herkommen, irgendwo, wo man das etialerweise kostengünstig herbekommt und fördern kann, worüber man theoretisch auch Kooperationen mit anderen Ländern ausbauen kann.

00:14:42: Und das bietet sich gerade im Fall von Russland an, wo sich auch sehr viele Oligarchien nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine abgesetzt haben in Dubai.

00:14:51: Aber es ist schon bemerkenswert, wie viele Länder, ich habe gesagt, ein Dutzend da involviert sind im Sudan.

00:14:59: Ja, das ist dem Umstand auch geschuldet, dass der Sudan in einem ganzen Ökosystem von Waffenschmuggeln in der Region eingebettet ist.

00:15:09: Was generell so den Schmuggel oder diese Schattenwirtschaft, die entstanden ist in den Jahren seit dem Krieg, dass sich viele im Zunutze machen können.

00:15:18: Wir haben eine Region, in der die Grenzen sehr schwer überwacht werden können.

00:15:22: Das heißt, der Transfer von Waffen ist recht leicht.

00:15:26: Wir haben auch eine Region, in der sich sehr viele Söldner konzentrieren.

00:15:30: Wenn wir an die Wagner-Gruppe oder ehemals Wagner-Gruppe heute Afrika-Core denken, die in Libyen und im Chard und in der zentralafrikanischen Republik schon aktiv sind, bietet sich das natürlich an, sich einzumischen und diese bestehenden Netzwerke auch schon zu nutzen.

00:15:47: Und Sie haben ja gerade von den Emiraten beispielsweise gesprochen, die sich da einmischen.

00:15:52: Die Emirate haben auch tatsächlich eine Vorgeschichte gegen Embargos zu versto- großen und Waffen in Konfliktregionen zu schicken, um auf eine sehr kostengünstige und risikoarme Art und Weise eine Präsenz in die Region zu projizieren, ohne aber wirklich die Risiken eingehen zu müssen, dass man direkt involviert ist.

00:16:15: Tatsächlich so, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Rapid Support Forces mit Waffen versorgt haben, vor allem mit modernen Waffensystemen.

00:16:23: Die Emirate bringen sich auch vermehrt in der Produktion von gepanzerten Fahrzeugen ein auf dem afrikanischen Kontinent.

00:16:32: Das ist so ein Markt, den sie sich durchaus erschließen in der Region.

00:16:36: Und man weiß natürlich, in dem Land wie Sudan gibt es da eine enorm große Nachfrage nach Waffen, nach Munition, nach anderen Kargo und nach gepanzerten Fahrzeugen.

00:16:46: Und auf der anderen Seite haben wir eben die Türkei und den Iran.

00:16:50: Diese Länder unterstützen die reguläre sudanesische Armee.

00:16:54: Geht es da auch um Ressourcen?

00:16:56: Geht es da um Einfluss?

00:16:58: Es geht für die Türkei potenziell um größeren Einfluss, also auch über diesen Krieg hinaus, denn die Türkei ist im Begriff den afrikanischen Markt für Waffen zu erschließen, in dem sehr viele Drohnen vertrieben werden, also nicht nur an den Sudan, sondern generell auf dem Kontinent.

00:17:17: Und das Vorgehen ist da preislich beispielsweise die Chinesen zu unterbieten, die vorher den afrikanischen Markt hatten, um so aber auch den Weg zu ebnen für lokative Zusammenarbeit in Energien, Infrastruktur und in Kommerz.

00:17:33: Das heißt, für die Türkei reiht sich das ganz klar ein in das Verhalten, das wir in neuerdings sehen, an Exporten, die die chinesischen Vorkommen von Drohnen beispielsweise ein bisschen zu verdrängen, der türkische Drohnen vielleicht höhere Qualität haben, besser genutzt werden in dem Sinne und dann sich auszubreiten.

00:17:54: Also man arbeitet sich da wirklich Puzzlestück für Puzzlestück vor auf dem Kontinent.

00:18:00: Und da ist der Sudan ein sehr, ja, einfaches Puzzlestück, dass man sich damit erschließen kann.

00:18:06: Und ähnlich ist es in Iran, dass auch ...

00:18:09: auch Drohnen.

00:18:09: Drohnen, genau, vermehrt auf dem Kontinent vertreibt.

00:18:13: Und im Sudan gibt es da eine sehr große Nachfrage für.

00:18:16: Also das heißt, die Internationalisierung dieses Konflikts ist eigentlich wirklich ein Motor gewesen für diese Gräueltaten.

00:18:22: Das hat überhaupt nicht, es hat nicht das Gegenteil bewirkt.

00:18:26: Auf jeden Fall, die Einmischung von internationalen Akteuren sorgt dafür, dass beide Akteure, sowohl die Sudaner Armed Forces als auch die Rapid Support Forces, die ja beide nicht selbstsufficient sind.

00:18:38: Beide sind angewiesen auf Versorgungslinien, auf dem konstanten Nachschub von Munitionen, von Waffen und anderem Kago.

00:18:46: Das ist etwas, das diese Einmischung von internationalen Akteuren ermöglicht und auch diese Netzwerke, die diese Akteure untereinander schon in der Region haben, wie beispielsweise dieses Dreieck, vereinigte Arabische Emirate, Russland und auch Khalifa Haftar im Süden Libyens.

00:19:03: Das eignet sich ja wunderbar, um gegen Embargos verstoßen zu können, um vor allem auch die Lieferketten für Waffen zu verschleiern, indem man sie nicht direkt in den Sudan schickt, sondern über Libyen und den Schaden.

00:19:15: und dann in das Land bringt, wo man sich auch diese Lieferkette gut aufteilen kann und das auch für sich sehr gut monetarisieren kann.

00:19:26: Wir sind gleich zurück.

00:19:41: Es verbindet Weltklasse Pianisten wie Marta Archerich, Ellen Grimo und Alexandre Kantorov mit dem Luciana Sinfonieorchester.

00:20:02: Für außenstehende Staaten ist es also ziemlich lukrativ, wenn im Sudan Krieg herrscht.

00:20:09: Wie kann man die Kosten dieses Krieges aber so in die Höhe treiben, damit die beiden Generäle zur Erkenntnis kommen, wir müssen aufhören mit dem Töten?

00:20:19: Die Kosten sind ja schon sehr hoch für beide.

00:20:23: Gleichzeitig sehen wir da aber auch gar keinen Einlenken, weil wir jetzt in einer sehr gefährlichen Situation sind, dass beide nicht mehr kämpfen, um zu gewinnen.

00:20:31: Sie kämpfen, um nicht gegen den anderen zu verlieren.

00:20:37: nicht der Erste sein, der die Waffen niederlegt.

00:20:39: Man möchte nicht der Erste sein, dem die Waffen, dem die Munitionen ausgehen.

00:20:44: Und auch noch mal gefährlicher ist, dass jetzt im Raum steht, dass weder die RSF noch die Sudaner-Amphosis den Krieg wirklich beenden können.

00:20:53: Dass sie gar nicht mehr in der Lage sind, ihre Truppen, auch ihre stellvertretenden Milizen in den Konflikten an den sehr verschiedenen Fronten im Land zu steuern.

00:21:05: Es ist ja so, dass die Fronten ein wenig zersplittert sind.

00:21:08: Wir haben immer noch diesen Hauptkonflikt RSF, Sudanarm-Forces.

00:21:12: Aber mit dieser neuen Gewalt sind halt auch alte Rechnungen mit aufgebrochen, dass man gerade in Gebeten, in denen die zentrale Regierung unter Umal baschieren, auch den ganzen Jahrzehnten zuvor, wo die Zentrale Regierung nicht so hingereicht hatte, wo Autoritäten abgestritten werden können, wo vielleicht regional oder auch auf kommunaler Ebene andere mehr das sagen hatten, andere auch näher am Lebensalltag der Bürger waren, dass die sich jetzt auch mit eingebracht haben, dass die den Zusammenbruch der Zentrale Regierung jetzt auch dafür nutzen, ihre lokalen und regionalen Dynamiken auszufechten.

00:21:51: Und gleichzeitig aber auch je nachdem, wie das eben zu ihren Interessen passt, Vertretung für die Sudarnarm-Forces und die Rapid-Support-Forces kämpfen.

00:22:00: Und das heißt, dass diese Befehlskette zwischen Alboran als zentrales Kommando, genauso wie Daglo als zentrales Kommando, und die, die tatsächlich de facto vor Ort kämpfen, immer verkomplizierter und verschachtwelter wird.

00:22:14: Und dass sich da einfach mehr potenzielle Bruchlinien einschleichen, wo man sich nicht mehr sicher sein kann, dass so ein Befehl, legt die Waffen nieder, auch lokal wirklich durchgesetzt wird.

00:22:25: Und das Problem ist besonders schlimm bei den Rapid Support Forces, wo die Gewalt, die wir beobachten, keinen Befehl mehr von oben braucht, wo sie wirklich im Ermessen des einzelnen Kämpfers ist und jede Halbstärke mit einer Waffe seiner rassistischen Misoginen-Fantasien frei ausleben kann.

00:22:44: Ach Mensch, ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll.

00:22:47: Ich habe diese schrecklichen Bilder gesehen von Abululu und ihm.

00:22:51: Wir haben es jetzt am Anfang gehört.

00:22:53: Aber das, was sie sagen, macht mich ratlos, irgendwie auch sprachlos und traurig.

00:22:59: Ich meine, sie beraten viele Politiker zum Sudan.

00:23:04: Wie kommen wir denn jetzt aus dieser Sackgasse hinaus?

00:23:08: Also mich macht das auch ratlos, muss ich sagen, auch als Forscherin.

00:23:12: tatsächlich, wenn ich mir die Situation angucke, wenn ich mir überlege, was habe ich für Daten, was habe ich für Begriffe, mit denen ich arbeiten kann.

00:23:19: Ich habe selten Konflikte, wo ich auch so aktiv darüber nachdenken muss, wie ich das frameen sollte, damit ich meine zuhörenden Abhole, damit ich Kolleginnen und Kollegen abhole, die vielleicht keine Coupexperten sind.

00:23:34: auch die die Aufbereitung des Konfliktes umgehört zu finden.

00:23:38: Das ist etwas, das habe ich selten erlebt, dass das so wichtig ist wie jetzt im Krieg im Sudan.

00:23:44: Und was, glaube ich, eine der großen Herausforderungen ist, ist dadurch, dass wir sehr wenig Präzedenz für so ein Konflikt haben, haben wir auch kein richtiges Playbook dafür, wie wir diesen Konflikt bearbeiten.

00:23:56: Wir haben wenig zuverlässige Erfahrungswerte, auf die wir zurückgreifen können, was natürlich auch die Recherche ein bisschen schwer macht.

00:24:05: Aber was bisher passiert ist und was die Art und Weise ist, wie diese Mediationsprozesse geführt sind, ist, dass man, glaube ich, immer noch nicht diese neue Kriegsrealität, so wirklich oder ihre Ramification so wirklich verstanden hat.

00:24:20: Wir gehen in Mediationen immer noch davon aus, dass wir die Sudanarmfosses und die Rapidsupportfosses irgendwie an einen Tisch bringen können.

00:24:27: Dass das der Hauptkonflikt ist, wo sich natürlich alles löst, wenn wir diesen Hauptkonflikt beiseite legen.

00:24:34: Aber was wir jetzt im Sudan sehen, sind wirklich Kriege im Krieg selbst.

00:24:39: Das heißt, wir haben eine Regionalisierung, wir haben zum Teil andere Akteurskonstellationen und wir haben vor allem auch eine sehr heterogene Zivilgesellschaft, die mit jeder Forderung nach einer Repräsentation aus der Zivilgesellschaft immer gezwungen wird, zu priorisieren in der Art und Weise, wie sie vom Krieg betroffen sind.

00:24:59: Auch Defiziten der letzten zwanzig Jahre, die jetzt wieder aufbrechen, dass man jetzt diese neue Realität gar nicht abbildet.

00:25:09: Das wäre ein Punkt, in dem man durchaus beginnen könnte, dass man vielleicht nicht mehr nur auf beide Konfliktakteure zugeht, da man jetzt auch nach zwei Jahren verstehen sollte.

00:25:23: Beide setzen sich nicht mehr an den Tisch.

00:25:25: Beide nutzen diese Mediation auch nicht, um den Krieg beizulegen.

00:25:29: Wir wissen, die Rapidsupportforces instinieren sich sehr gerne als kooperativer und friedliebender, als sie es tatsächlich sind, vor allem weil die Sudan-Ampforses sich strikt weigern, mit ihnen zu verhandeln.

00:25:41: Und instrumentalisieren das jetzt hin als auf auf sozialen Medien.

00:25:45: und geben damit auch Akteuren, die sich in Verhandlungen einbringen, wie jetzt neuerdings auch die Vereinigten Arabischen Emiraten glaubwürdigen Grund, sich in die Nähe zu begeben, dass das Konflikt ist.

00:25:56: Und auf der anderen Seite schauen die Sudan-Amphorses nicht mit denselben Zeithorizont wie wir auf diese Mediation.

00:26:03: Wir verhandeln nur bis zur nächsten Feuerpause.

00:26:06: Wir haben aber eine Streitkraft, die seit Jahrzehnten an der Macht ist, die auch vor hat, weitere Jahrzehnte an der Macht zu bleiben.

00:26:13: Der geht es um weit mehr als die nächste Feuerpause, die möchte abwarten, welcher Deal dafür sorgen wird, dass sie auch weiterhin den Status quo antehalten können vor dem Krieg.

00:26:25: Und deswegen auch gar nicht anspringen auf eine Feuerpause oder humanitäre Korridor.

00:26:30: Da ist das Angebot nicht, also so schlimm das ist zu sagen, nicht verlockend genug, nicht weitsichtig genug.

00:26:36: Aber irgendwie muss jetzt eine Feuerpause, eine Waffenruhe ja... hingekriegt werden, also wenn ein Trump in Gaza sogar hinkriegt.

00:26:44: Also was ist jetzt die oberste Priorität für die internationale Politik, um die Zivilisten zu schützen?

00:26:51: Der Schutz von Zivilisten wird de facto... gerade nicht ohne wirklich Boots on the Ground möglich sein.

00:26:58: Das muss man einfach sagen.

00:26:59: Und dafür haben die Rapid Support Forces auch einfach gesorgt, dass Zivilistinnen und Zivilisten in ein komplettes Abhängigkeitsverhältnis gedrängt werden und dass sie ihnen auch in davor vor allem schutzlos ausgeliefert sind.

00:27:11: Was uns jetzt realistisch und als erstes von außen bleibt, ist uns leider um diese Schadensbegrenzung, die humanitäre Schadensbegrenzung zu kümmern.

00:27:20: Und das startet ja schon bei der Finanzierung von humanitären Organisationen und generell der humanitären Hefe.

00:27:27: Und die ist derzeit gerade mal zu einem Viertel finanziert worden.

00:27:32: Und mit der Abwicklung der Entwicklungsbehörde USAID ist dem Sudan ein sehr wichtiger, vor allem regelmäßiger Geldgeber weggefallen.

00:27:41: Es sind unglaublich viele Projekte, die an USA hängen und Organisationen, die zwischen fünfzig und siebzig Prozent abhängig sind von dieser Finanzierung.

00:27:51: Das ist der Hebel, der uns jetzt bleibt, de facto, der unglaublich wichtig ist, wo wir aber auch merken, der Trend ist hin zu Investitionen an anderer Stelle und Entwicklungshilfe.

00:28:04: ist nicht mehr das Thema, mit dem man wirklich Wähler gewinnt, mit dem man Prioritäten führt und wo eher eingespart wird.

00:28:13: Frau Arli, gibt es irgendetwas, wo Sie sagen können, das ist das, was mir noch Hoffnung macht in diesem Krieg?

00:28:23: Ja, ich glaube, das ist von allen zu die schwierigste Frage.

00:28:27: Es fällt schwer, nicht im Zynismus zu verfallen, wenn man natürlich die Kriegsdynamiken analysiert.

00:28:34: Aber was auf jeden Fall Hoffnung macht, sind die Soudanesinnen und die Soudanesen selbst, die immer noch Hoffnung auf einen Frieden haben, den man auch die Hoffnung und dass irgendwann zur Wirklichkeit werden von Frieden und Demokratisierung auch bünd.

00:28:52: Denn das ist ein Krieg, den Sie nicht verdient haben.

00:28:55: Den hat niemand verdient, den Sie auch nicht zu verschulden haben, von dem Sie ausgegrenzt wurden.

00:29:02: Und gleichzeitig sind Sie die größten Opfer, was mir jetzt auch Hoffnung macht.

00:29:08: ist, dass wir vielleicht beginnen, mehr auf den Sudan zu schauen.

00:29:12: So grausam natürlich die Gründe dafür sind, ist das vielleicht ein Beginn dafür, den Sudan anders zu priorisieren.

00:29:44: Wenn ihr euch weiter mit dem Thema Sudan beschäftigen möchtet, dann empfehle ich euch die Analyse von meinen NZZ Pro Kollegen.

00:29:52: Sie erläutern mit Statistiken, Satellitenbildern und Videos, wie Drohnen den Krieg im Sudan nachhaltig verändert haben.

00:30:00: Den Artikel findet ihr in den Shownutz.

00:30:03: Über Kommentare, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast freue ich mich und wir haben dafür sogar eine neue Adresse, die ist auch sehr einfach zu merken, nämlich geopolitiketnz.ch.

00:30:16: Ciao Zame und bis nächste Woche, sagt David Vogel.

Kommentare (1)

Louis XVI

Sehr interessant. Endlich ein Versuch, die Hintergründe verständlich zu erklären. Offen ist die Frage, auf welcher Grundlage wir, der so genannte Westen, eine wie immer geartete Verpflichtung haben sollten, in diesen Konflikt einzugreifen, ausser dem verständlichen Impuls, helfen zu wollen.

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