Europas trockene Zukunft: Drohen jetzt Wasserkriege?
Shownotes
Europa leidet unter einer beispiellosen Trockenheit und historischen Niedrigwasserständen. Selbst Regionen wie das „Wasserschloss Schweiz“ stossen an Grenzen, während sich die geopolitischen Folgen der Wasserknappheit immer deutlicher zeigen. Werden künftige Konflikte nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt? David Vogel spricht mit der Wasserexpertin Susanne Schmeier darüber, wie grenzüberschreitendes Wassermanagement funktioniert, warum Staudämme oft als Konfliktauslöser dienen und weshalb der Sommer 2026 ein drastischer Aufwacheffekt für Europa ist.
Heutiger Gast: Prof. Dr. Susanne Schmeier Host: David Vogel
Die Folge über das Walliser Dorf findest du hier
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Transkript anzeigen
00:00:00: Diese Geräusche könnte zum Geräusch des Jahres werden.
00:00:11: Wir hören Schritte, es sind Schritte in einem ausgetrockneten Fluss.
00:00:19: Es ist Ende Juli fast vierzig Grad im Parco Naturale della Valle del Ticino Einem Naturpark an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien auf der italienischen Seite in der Poeben.
00:00:34: Ein Parkranger ist unterwegs auf Patrouille nicht auf einem Wanderweg, sondern eben im ausgetrockneten Fluss Ticino.
00:00:42: Wir stammen in den Ticinus, in der Mitte des Alvios.
00:00:51: Normalerweise muss er hier Wasser fließen, sagt der Ranger im italienischen Fernsehen und er zeigt auf die Flussalgen, die in der Sonne vertrocknen.
00:01:00: Wir
00:01:01: können
00:01:03: uns zwischen den Gehäionen und der Alge, die von solch genutzt werden.
00:01:10: Die Poebene, die Corn-Kammer Italiens bezieht ihr Wasser – das ist das Besondere an dieser Geschichte – nicht aus Italien selbst, sondern hauptsächlich aus der Schweiz, aus den Schweizer Alpen.
00:01:31: Und an den benachbarten Kanton Tessin gewandt, fordert der Präsident der Region Piemont Alberto Cirio.
00:01:38: Bitte Tessins, gebt uns mehr Wasser!
00:01:48: Und die Antwort kam prompt?
00:01:52: Tut uns leid, sagt der Tessiner Regierungsrat Norman Gobi.
00:02:01: Es hat zu wenig.
00:02:03: Wir brauchen das Wasser für uns selbst!
00:02:10: Erst nachdem sich das Umweltministerium in Rom dazwischen geschaltet hat, kommt es zum Kompromiss zwischen der Schweiz und Italien.
00:02:18: Und Italien erhält seit einigen Tagen seit dem zehnten August ein bisschen mehr Wasser aus der Schweiz.
00:02:24: Susanne nicht besonders solidarisch die Schweizer.
00:02:27: was sagst du dazu zu dieser Situation?
00:02:30: Also wir sehen auch in unserer Forschung eine Zunahme von Wasserkonflikten vor allem auch wenn es um Verteilung von Wasser zwischen verschiedenen Gemeinden, zwischen verschiedenen Andereinern aber auch zwischen verschiedenen Staaten geht.
00:02:42: Wir sehen aber auch das der Großteil dieser Konflikte eigentlich letztlich friedlich beigelegt wird.
00:02:47: Das heißt es wird sich eine Zunahme geben, aber nicht im Sinne dass wir Wasserkriege sehen
00:02:52: werden.".
00:03:02: Europa lechtst unter einer beispiellosen Trockenheit und das wiederum führt zu einer Wasserknappheit.
00:03:08: Die geopolitischen Folgen sind nicht zu unterschätzen, sagt die Wasserexpertin Susanne Schmeyer von der Universität in Delft in den Niederladen.
00:03:16: Hallo!
00:03:16: Hallo!
00:03:19: Delft ist eine kleine hübsche Studentenstadt zwischen Rotterdam und Den Haag Und vor allem ist es eine Stadt, die von Kanälen gesäumt ist.
00:03:28: Wie spürst du die Trockenkeit?
00:03:31: Wie sieht man die Trockeneid bei dir?
00:03:34: Ja, das ist ganz interessant.
00:03:35: Man sieht die Trockenheit in dem Sinn nicht.
00:03:37: Die Kanäle werden reguliert, sie sind weiter relativ voll.
00:03:41: aber das ist vielleicht gerade das Gruselige denn wir sehen es nicht an den Kanälen, aber wir wissen und da sieht man's dann auch wenn man mehr aufs Land fährt in den Niederlanden, in Poldern, in Speichern, Inflüssen dort sieht man dass der Wasserstand zurückgeht und das betrifft jetzt massiv an Land die Niederlande, das eigentlich ja gewohnt ist eher zu viel Wasser zu haben als zu wenig.
00:04:04: Das zweite Problem ist auch dass wir hier durch den verringerten Zufluss ins Rhein-Mas-Deltergebiet auch einen massiven Salzwasser-Eintrag haben.
00:04:14: Das wird oft vergessen, das sieht man natürlich nicht.
00:04:17: Aber indem immer mehr Salzwasser vom Meer reindrückt in die Kanäle und Flüsse, kommt es zu einem Brackwasser im Wasser, was die Trinkwasserversorgung in dem Sinne nicht beeinträchtigt aber viel komplizierter und teurer macht.
00:04:33: Und als drittes haben wir natürlich das Problem, dass die Trockenheit massiv die Deichstabilität beeinträchtigen kann.
00:04:39: Deiche können reißen und brechen Und die Ergebnisse davon würden wir dann beim nächsten Hochwasser sehen.
00:04:46: Ich muss dir offen sagen, bis jetzt war für mich als Schweizer das Wasser eine Art nie versiegende Quelle.
00:04:52: Also ich bin auch so aufgewachsen.
00:04:54: in der Schule hat man immer von diesem Wasserschloss Schweiz gesprochen also Schloss als seine Art ein sicheres Hort wo das Wasser gespeichert werden kann.
00:05:04: was denkst du?
00:05:04: wie verändert dieser trockenen Sommer dieses Bild des nie versiegelten Rohstoffes?
00:05:12: Ich glaube wir sehen jetzt schon Veränderungen auch bei der Bevölkerung in der Schweiz, in Deutschland hier in den Niederlanden.
00:05:17: Wahrscheinlich so eine Art Aufwacheffekt, der eigentlich wahrscheinlich ja ganz gut wäre das erkannt wird dass Wasser eben nicht unendlich zur Verfügung steht, dass Wasser effektiv und nachhaltig gemanagt werden muss zum Beispiel am Rhein, wirklich von der Schweiz durch neun Länder bis in die Niederlande fließt eben auch nur gemeinsam gemanagt werden kann.
00:05:37: Ja das ist ja das spezielle dass gerade die berühmten Flüsse rein Mekong wo du lange gelebt hast oder auch Daniel also alle diese berühmmten Flüße die sind ja nicht monopolisiert von einem Land sondern die fließen durch mehrere Länder rein Neuenländer der Nil Elfländer Mekongs Sechsländer.
00:05:56: wie gut läuft politische Kooperation zwischen den Anreinerstaaten?
00:06:02: Ja, also das ist natürlich das Tolle am Thema Wasser.
00:06:04: Dass es eigentlich ein sehr verbindendes Element ist und dass an den meisten der über dreihundert Grenzebeschreitenden Flüsse weltweit Kooperation auch mehr oder weniger funktioniert
00:06:14: bzw.,
00:06:15: dass Kooperation zumindest gegenüber Konflikten überwiegt Inwieweit das freiwillig ist, würde ich sagen, ist eine andere Frage.
00:06:24: Wasser zwingt uns im Prinzip zur Zusammenarbeit.
00:06:27: Wasserprobleme können selten allein gelöst werden bzw führt unilaterales Wassermenagement eigentlich immer zu suboptimalem Ergebnissen.
00:06:37: also wenn wir zum Beispiel an Hochwasservorhersage denken Kein Land kann seine Bevölkerung vor Hochwasserschützen ohne Daten mit den Oberanrheinern auszutauschen.
00:06:45: Ja, kein Oberanreiner kann Schifffahrt betreiben, ohne mit dem Unteranrheiner zu kooperieren, wo die Schiffe durchmüssen.
00:06:52: So Wasser zwingt uns zur Kooperation ob wir das wollen oder nicht?
00:06:55: Aber es kommt immer wieder vor!
00:06:57: Das sorgt dann auch immer wieder für Schlagzeilen, dass gewisse Länder dann plötzlich unilaterale entscheiden.
00:07:02: wie machen einen Staudarm Ägypten, Äthiopien – das ist so ein Konflikt der immer wieder genannt wird.
00:07:08: Wie kommt es denn dazu, dass es dann immer wieder zu diesen Konflikten kommt wenn man weiß das man gegenseitig aufeinander angewiesen ist?
00:07:17: Ja, das ist interessant.
00:07:18: Es kommt immer wieder zu Konflikten an grenzüberschreitenden Flüssen und in fast allen Fällen – das zeigt ja unsere Forschung – sind Staudämme der Auslöser.
00:07:26: Es gibt keinen Konfliktauslösern, der häufiger vorkommt als Staudäme.
00:07:29: Und das klassische Szenario wie eben auch am Nil mit dem Staudamm im Äthiopien ist, dass der Oberanrheiner einen Staudamn baut und das aber dann beim Unteranrheiner, in dem Fall dann Ägypten, Sorgen aufkommen, dass Wasser zurückgehalten wird, dass water abgeleitet oder das Wasser nicht in dem Maße oder zu dem Zeitpunkt zur Verfügung steht, wenn es der Unteranreiner braucht.
00:07:51: Das ist natürlich am Nihl auch noch mal ein Extremfall wo Ägypten zu mehr als ninety-fünf Prozent seines gesamten Wassers von Wasser abhängt was den Nihll runterkommt und aus anderen Ländern kommt.
00:08:02: Und der Konflikt entsteht im Prinzip dann aus einem ganz klaren Gegensatz für Nutzungsinteressen Energiegewinnung in Äthiopien Und eben Nutzung für Wasserversorgung und vor allem auch für Landwirtschaft in Ägypten.
00:08:14: Und die sind schwer auszugleichen, vor allem im Kontext wo auch ansonsten die Beziehungen zwischen den Ländern nicht wahnsinnig gut sind.
00:08:23: Wo es nicht Regionalorganisationen gibt, Flussgebietekommissionen gibt andere Organisationen gibt oder einfach nur wirtschaftliche politische kulturelle Verflechtungen zwischen Den Ländern.
00:08:34: Aber der Staundamen hat jetzt Ethiopin ja eröffnet.
00:08:37: Wie ist es denn Ethiopian dann gelungen?
00:08:39: Das zu machen, ohne dass es denn zur großen Eskalation gekommen ist.
00:08:44: Ja das ist eine interessante Frage mit der sich auch die Forschung viel beschäftigt.
00:08:47: wie kommt's zu Wasserkonflikten?
00:08:49: aber auch wie werden bestimmte Projekte dann umgesetzt gegen den Willen der Nachbarn?
00:08:54: Insbesondere in dem Fall ist es natürlich interessant weil Ägypten eigentlich lange als der mächtigere, der einflussreichere Staat angesehen wurde in der Region.
00:09:02: Aber Äthiopien hat natürlich den klaren Vorteil als Oberanreiner wo man immer einen gewissen eine hydrologischen Machtvorteil nennen wir das hat, weil man den Stauderm eben bauen kann und in keinster Weise von dem was die Unteranreiner machen betroffen ist.
00:09:16: Zumal am Nil jetzt Schifffahrt wo man einen umgekehrten Effekt hätte eben nicht so ne Rolle spielt wie es beispielsweise am Rhein der Falle ist.
00:09:23: und in der Tat ist der Stauder letztes Jahr eröffnet worden läuft jetzt und damit hat sich der Konflikt ein bisschen auch verschoben von soll der Stau dann gebaut werden?
00:09:33: dem sich Ägypten ja immer vollständig entgegengesetzt hat.
00:09:36: Jetzt eher zur Frage, wie wird der Staudamm gemanagt und gibt es vielleicht trotz unilateralen Verhaltens?
00:09:42: Gibt's jetzt noch eine Möglichkeit den Staudam so zu managen, dass alle davon profitieren?
00:09:47: Stichwort Management für alle!
00:09:49: Lass uns doch jetzt den Blick wieder auf Europa richten und auf die aktuelle Trockenheit schauen.
00:09:55: Wie bewertest du denn das Wassermenagement der Europäer während dieser Krise?
00:10:02: Also ich muss sagen, dass ich doch relativ schockiert bin und relativ negativ überrascht war von dem was wir in den letzten Wochen gesehen haben.
00:10:10: Ich will mal auch das Beispiel Donau eingehen.
00:10:13: die Donau hat ja ähnlich wieder rein mit massiven Niedrigwasser zu kämpfen.
00:10:17: Und dort sind Länder auf einem Österreich-Ungarn Rumänien massiv betroffen.
00:10:21: Die meisten haben wahrscheinlich davon gehört, abgeschaltet werden musste aufgrund des niedrigen Wasserstands der Donau.
00:10:29: Und das Pox in Ungarn fast abgeschaltet werden musste und es hat natürlich massive Auswirkungen auf die Wirtschaft der Länder, aber die Reaktionen der Länder haben mich dann schon überrascht.
00:10:40: Rumänien hat Felsen in den Donau weggesprengt um kurzfristig den Lauf des Donauwasser zu verändern und hat das gemacht im Prinzip ohne Nachbarländer darüber zu informieren oder mit Nachbarländern Umweltauswirkungen zu besprechen und so weiter.
00:10:56: Und was wir jetzt ganz aktuell sehen, ist das auch Ungarn ging gerade in den letzten Tagen durch die Medien.
00:11:02: Jetzt überlegt ein Bauwerk eine Solschwelle in die Donau einzubauen im Bauwerk, was fünfhundert Meter lang ist und den Wasserspiegel der Donau an einer bestimmten Stelle.
00:11:13: da wurde es Kernkraftwerk Pox des Kühlwasser entnimmt dort den Wasserschiegel zu erhöhen und dass eben ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen, was eigentlich in Europa verpflichtend und gang-und gäbe ist.
00:11:25: Und ohne Diskussionen mit den Nachbarstaaten.
00:11:29: Das ist etwas, das ich so vielleicht übermäßig optimistisch nicht für möglich gehalten hätte in Europa – dass Länder so schnell zu unilateralen Verhalten übergehen.
00:11:40: Man hätte das ja auch besprechen können mit den nachbarländern!
00:11:43: Und das es auch Anschuldigungen gab, es gab ja in der Ungarischen Presse.
00:11:46: Anschuldigung Österreich würde das Wasser zurückhalten.
00:11:48: also wie schnell dann doch das Wassertema emotionalisiert wird und jeder zuerst versucht seine eigenen Nutzungsinteressen zu sichern?
00:11:57: Das hat mich schockiert!
00:12:03: Die Türe um die Trockenheit kommt nicht einfach so.
00:12:07: man wusste dass das Wasser als Ressource schwer unter Druck steht.
00:12:13: Klimawandel, mehr Temperatur.
00:12:16: Es gab in den Dürren auch schon große Probleme in Europa.
00:12:21: Wie erklärselt dir das die Politik und die Regierungen so schlecht auf Trockenheit vorbereitet sind?
00:12:29: Aus journalistischer Sicht habe ich das Gefühl man spricht sehr oft über Hochwasser aber nicht über ein langsames Austrocknen.
00:12:38: Das hat definitiv damit zu tun.
00:12:39: Wir sprechen in der Forschung von sogenannten Slow Onset-Herausforderungen, also Dinge die langsam auf uns zukommen und vor denen uns vielleicht sogar die Wissenschaft warmt.
00:12:48: Der Klimawandel insgesamt ist ein typisches Beispiel dafür.
00:12:51: Wir wissen es wird passieren und trotzdem reagieren wir nicht sind unvorbereitet währenddessen bei sogenannten Fast Onset Events wie zum Beispiel Hochwasser eben dann der Schock oft groß ist und schnell gehandelt wird.
00:13:04: Insofern kann man vielleicht hoffen, dass die Dürre und die Niedrigwasser, die wir diesen Sommer gesehen haben so viel Schockwirkung haben.
00:13:12: Sie kamen zwar nicht plötzlich und überraschend aber sie kamen doch mit voller Wucht das da vielleicht ein Umdenken einsetzt.
00:13:18: bis vor wenigen Jahren hätte ich gesagt na gut das wissen auch die Politiker.
00:13:21: Wir sind jetzt in besonderen Zeiten wo der Multilateralismus einen schweren Stand hat.
00:13:27: Es gibt dieses berühmte Zitat von ehemaligen ägyptischen Außenminister und ehemalsigen UN-Generalsekretär Butos Bhutushali, der gesagt hat, dass in Zukunft werde es Kriege um das Wasser geben und nicht um Öl.
00:13:44: Und er meinte damit natürlich den Nahen Osten.
00:13:47: und das Besondere ist, dass viele Forscherinnen und Forscher das aus Mythos darstellen und sagen Es gibt keine Wasserkriege.
00:13:55: aber Jetzt, wo ich sehe wie die Regierungen darauf reagieren muss ich persönlich sagen so sicher bin ich jetzt da auch nicht mehr dass es verhindert werden könnte.
00:14:05: Ja also ich komme aus der Forschungsschule die in der Tat seit langem sagt Es wird keine Wasserkriege geben.
00:14:11: Ich muss ganz ehrlich sagen das mir da nicht auf Basis meiner Forschung sondern rein aus dem Bauchgefühl auch langsam so ein paar Zweifel kommen ich glaube aber trotzdem weiterhin rein rational betrachtet unwahrscheinlich sind.
00:14:26: Nicht, weil es keine Konflikte um Wasser geben wird – das sehen wir, Konflikte nehmen zu – aber die Konflichte, die gewaltsam zwischen Staaten ausgetragen werden, die sind extrem selten.
00:14:38: und dass hat damit zu tun, dass Staaten ja nicht nur über Wasser, sondern auch über wirtschaftliche Beziehungen, politische Beziehung, kulturelle Beziehungs- und der Preis einen Wasserkrieg zu beginnen mit dem Nachbarn der dann gezahlt werden würde in wirtschaftlichen Verflechtungen, finanziellen Verflechdungen, politischen Verfleichtung und politische Reputationsverlust auch auf internationaler Ebene.
00:15:03: Der ist meistens zu hoch.
00:15:05: Und das haben wir auch bei Konflikten in der Vergangenheit am Nihil in Zentralasien rund um den Rohgun-Staudamen aber auch am Mekongrunden und dem Insajaburi Staudam gesehen.
00:15:14: Dass Konflikte durchaus eskaliert sind.
00:15:17: Es gab diplomatische Spannungen, es gab teilweise sogar Drohnen... Aber es gab keine Gewalt an sich.
00:15:24: Und was dort Interessantes ist, dass wenn es zur Gewalt und wenn es zu Auseinandersetzungen kommt das oft nicht direkt von Wasser ausgelöst wird sondern oft eingebettet in geopolitische Spannung.
00:15:36: Ein interessantes Beispiel dort ist Indien-Pakistan.
00:15:39: Dort gibt's seit neunzehntzig einen Abkommen zum Indus ein Fluss den sich beide Länder teilen und dieses Abkommen teilt im Prinzip des Wassers zwischen beiden Ländern auf.
00:15:48: Dieses Abkommen hat bis heute, oder ich sollte sagen bis letztes Jahr gehalten.
00:15:54: Trotz drei Kriegen zwischen den Ländern trotz bewaffneten Auseinandersetzungen Wasser wurde im Prinzip immer ausgespart weil es für die Länder so essentiell war.
00:16:04: jetzt hat letztes jahr indien dieses Abkommen ausgesetzt aber nicht weil's um wasser ging sondern als reaktion auf die terroristischen Attentate in Kashmir als Reaktionen auf die hat im prinzip Indien dieses abkommen aus gesetzt unbeeinträchtigt dadurch natürlich auch die Zusammenarbeit um Wasser.
00:16:22: Also das ist so ein typisches Beispiel dafür, dass Wasserkriege oft keine Wasserkriege sind sondern Konflikte und Kriege um andere Themen in denen Wasser dann eine bestimmte Rolle spielt und mit hinein gezogen wird.
00:16:36: Da fällt mir einer so zum Beispiel im Ukraine-Krieg hatten wir diesen Staudarm ich habe jetzt den Namen nicht gerade präsent der
00:16:41: Krakowka
00:16:42: genau da gesprengt wurde.
00:16:44: Man liest auch, dass Iran immer wieder Entsalzungsanlagen an Golf angreift.
00:16:50: Also es spielt – wenn man darüber nachdenkt und sich damit auseinandersetzt – es spielt durchaus eine Rolle.
00:16:56: Es ist keine prominente Rolle aber es ist eine sehr relevante Rolle das Wasser.
00:17:01: Ja, das ist eine interessante Frage und wir versuchen da in der Wissenschaft das eigentlich relativ gut auseinander zu dividieren.
00:17:08: Das ist ein Unterschied ob wir von einem Wasserkonflikt reden also einen Konflikt um Wasser wie beispielsweise wir jetzt möglicherweise aufkommen sehen in Europa, wo es darum geht dass verschiedene Länder verschiedene Nutzungsinteressen haben und die eben nicht miteinander vereinbar sind oder ob es Konflikte sind, ob das Gewalt ist.
00:17:25: Die Wasser betreffen aber aus einem Grund der eigentlich nichts mit Wasser zu tun hat Und dieses Iran bombardiert Entsalzungsanlagen im mittleren Osten ist ein typisches Beispiel.
00:17:35: Oder auch als terroristische Gruppen wie ISIS beispielsweise in Syrien und Irak Staudimmer besetzt haben und versucht haben die als Waffe gegenüber dem unter anderer Bevölkerung aber auch Ländern einzusetzen, das würden wir ganz klar unterscheiden.
00:17:48: Das ist kein Wasserkonflikt und kein Wasserkrieg sondern es ist eher der Effekt von Konflikt auf Wasser.
00:17:54: So oder so weil die Temperaturen weltweit steigen und damit das Gutwasser an sich wichtiger wird, wird es mit dem Klimawandel mehr Konflikte auf- und um das Wasser geben?
00:18:09: Ja ich denke wir müssen definitiv davon ausgehen dass Konflikte um Wasser zunehmen.
00:18:13: Die Frage ist, wie managen wir diese Konflikte.
00:18:16: Können wir sie einkränzen?
00:18:18: Können we sie mit friedlichen Konfliktlösungsmechanismen einhegen?
00:18:29: Was lernt man, wenn man mit einem klapperigen Auto von Deli bis ins Engadin fährt?
00:18:34: Am neunundzwanzigsten August nehmen wir sie bei NZZ Live in Zürich mit auf einen Roadtrip mit dem NZZ-Korrespondenten Andreas Babst und sprechen mit ihm über seine viermonatige Reise quer über Kontinente.
00:18:47: Und über Neugier in einer unsicheren Welt!
00:18:50: Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie Tickets unter nz.ch.
00:18:55: slash live.
00:19:01: Jetzt hast du eben gesagt, gleich am Anfang des Gesprächs sind über dreihundert Süßwasser-Gewässerflüsse die Grenze überschreiten.
00:19:09: Sind sie da von einem Land in das andere gehen?
00:19:12: Das heißt im Umkehrschluss dass das Wassermenagement ja eigentlich auch eine Erfolgsgeschichte ist.
00:19:17: Was kannst Du uns darüber sagen wie das ganze international durch Institutionen geregelt wird?
00:19:25: Ja, also ich würde sagen Wassermanagement ist eine Erfolgsgeschichte.
00:19:28: Wassermenagement, grenzüberschreitendes Wassermanagement wird im Prinzip seit dem neunzehnten Jahrhundert betrieben als durch Wirtschaftswachstum wirtschaftliche Expansion und so weiter auf einmal Fragen wie grenz überschreiten Verschmutzung aber auch grenz über schreitende Effekte von Fischfangen usw.
00:19:42: auftraten.
00:19:43: Und inzwischen ist es so dass wir zwei globale Konvention haben UN-Konvention die sich mit Grenz überscheitendem Wasser beschäftigen für bestimmte Flüsse oder Teile von bestimmten Flüssen die Nutzung zwischen den anrheinenden Regeln.
00:20:00: Das sind teilweise umfassende Rahmenabkommen, wie zum Beispiel die Donau-Schutz-Kommission.
00:20:05: Teilweise sind es ganz spezifische, die nur dem Bau oder den Betrieb eines bestimmten Staudams in einem Land und die Effekt auf ein anderes Land regeln.
00:20:13: Aber es gibt über sechshundert solcher Abkommen – ganz viele in den Neunzeigern, Sechzigern und Siebzigern geschlossen und dann ganz viel in der Neunzen und Neunzigern again.
00:20:21: Und es gibt auch über einhundertzwanzig sogenannte Flussgebietskommissionen.
00:20:25: Das sind ich nenne sie gerne Minivereintenation an einem bestimmten Fluss die Länder zusammenbringen, wo sich die Länder regelmäßig treffen.
00:20:34: Oft auch auf Minister-Ebene und ihre Wasserprobleme
00:20:37: besprechen.".
00:20:38: Also man kann auch sagen, Wasser ist eigentlich ein Vorbild für Good Governance oder so.
00:20:43: Ein Symbol wie es sein könnte?
00:20:45: Wasser ist in ganz vielen Regionen wirklich eine Quelle von Kooperation und ein Vorbild.
00:20:51: Wir sehen das beispielsweise im Sabah-Einzugsgebiet, das ist ein Einzugsgebiet und Untereinsuchsgebiet der Donau im ehemaligen Jugoslawien, wo nach dem Jugosawien Krieg als die Länder eigentlich ganz wenig miteinander zu tun haben wollten.
00:21:04: Wasser als erstes möglich ist ein Gänztor für Kooperation vorgeschlagen wurde und die Länder sich bereit erklärt haben, direkt nach dem ersten Friedensabkommen zu Wasser zu kooperieren und ihre Wasserprobleme gemeinsam zu lösen.
00:21:16: Das war wirklich der erste Schritt zum Aufbau von Kooperationen.
00:21:20: jetzt ja auch zu allen möglichen anderen Themen in der Region aber das gilt natürlich nicht für alle Einzugsgebiete.
00:21:25: es gibt durchaus noch Flüsse weltweit in denen es gut wie keine Kooperation gibt was unbedingt automatisch zu Konflikten führt, aber was auch dazu führt dass das Potenzial von Kooperation nicht gehoben wird.
00:21:39: Also dass Bevölkerungen am Unterlauf nicht vor Hochwasser vom Oberlauf geschützt werden.
00:21:44: Dass Wasser-Qualitätsprobleme nicht angegangen werden, dass ein Potenzials für Schiffer das besteht, was Wirtschaftswachstum stärken könnte, nicht genutzt wird.
00:21:53: Interessanterweise sprechen wir jetzt nur über Süßwasser.
00:21:56: Also, siebzig Prozent der gesamten Erde sind von Wasser bedeckt und nur drei Prozent sind Süßwater.
00:22:01: aber die Abkommen betreffen alle nur Süßwasser.
00:22:05: Aber ich meine, wir haben ja jetzt einen Konflikt.
00:22:07: an Straße von Hormus oder am Schwarzen Meer haben wir auch schwierige Situationen.
00:22:12: Warum wird das dort ausgeschlossen?
00:22:14: Das wird nicht ausgeschlossen.
00:22:15: es ist nun ein ganz anderes rechtliches Regime was da regelt also dass Süßwasser rechtliche Regime und das Meeresregime sind völlig voneinander getrennt.
00:22:25: Love, the sea sehr recht international hat sich historisch schon völlig anders entwickelt, hat sich aus dem Handel der Kolonialisierung der europäischen Mächte herausentwickelt und ist im Prinzip ein getrennetes rechtliches Regime was auch ziemlich weit entwickelt ist was es auch global gibt mit dem UN-Sehrrechtsübereinkommen und dann aber auch regional, zum Beispiel speziell fürs Mittelmeer.
00:22:48: Zum Beispiel für bestimmte Gebiete rund um Afrika, für das Kaspische Meer und alle möglichen anderen.
00:22:55: die sind aber eben Süßwasser und Salzwasser sehr getrennt voneinander.
00:22:59: Was interessant ist weil es einen Bereich hinterlässt wo du Süßwasser auf Salzwasser stößt also in den Küstenregionen der eigentlich ein bisschen vergessen und unterreguliert ist?
00:23:11: Da gebe es ja noch ein bisschen Arbeit.
00:23:13: Und solcher eine Arbeit findet an UN-Wasserkonferenzen statt, die nächste findet im Dezember statt, in Abudabi.
00:23:23: Da bist du dabei, gehe ich davon aus.
00:23:26: Wie muss ich mir das vorstellen?
00:23:27: also was jetzt aufgrund dieses Sommers zum Beispiel und überhaupt aufgrund dieser Krise des Multilateralismus Was wären die nächsten wichtigen Schritte, damit die Wasserkorporation weiterhin so vorbildlich in die dreißige Jahre hineingebracht werden kann?
00:23:44: Ja da ist dieses Jahr – wir sagen mal ein wichtiges Jahr für das Wasser und das haben wir schon im Frühjahr gesagt bevor die ganzen Dürren kamen.
00:23:51: Dieses Jahr ist wirklich wichtig fürs Wasser global.
00:23:54: Die Wasserkonferenz in Abu Dhabi soll Ja, in Meilenstein seien auf dem Weg zu zwei Tausend Dreißig.
00:24:01: Wenn ja auch die UN Entwicklungsziele auslaufen und es gibt ein spezielles Entwicklungstil des SDG sechs speziell für Wasser.
00:24:08: Und da muss ich jetzt im Prinzip die Weltgemeinschaft entscheiden wie wollen wir da weiter vorangehen?
00:24:13: Worum geht's da?
00:24:14: Das sind im Prinzip Ziele, die sich die Welt Gemeinschaft gesetzt hat.
00:24:18: wo es darum geht dass beispielsweise im Jahr two-tosend treißig eigentlich alle menschen zugang zu gesunden sicherem trinkwasser und einer sicheren abwasserversorgung haben sollen oder das an allen grenzüberschreitenden flüssen weltweit im jahr zwei tosend dreißig kooperationsmechanismen bestehen sollen.
00:24:35: Und wir sind bei allen wasserbezogenen zielen komplett off track hat sich auch verlangsamt der fortschritt in den letzten jahren, da ist natürlich jetzt die frage für die weltgemeinschaft was machen wie und wie kommen wir voran?
00:24:49: Krise des Multilateralismus ist natürlich alles andere als hilfreich.
00:24:53: Und der Schock des Hitze-Sommers, denkst du?
00:24:55: Ist das jetzt ein Motor oder eher ein Bremser?
00:24:59: Ich würde sagen es ist noch zu früh zu sagen.
00:25:01: Momentan ist es vielleicht ein bisschen ein Bremoser weil die Regierungen alle zu Hause damit beschäftigt sind Wasserprobleme zu lösen.
00:25:09: auch Das deutsche Umweltministerium beispielsweise ist natürlich sehr mit der Situation zu Hause beschäftigt.
00:25:15: Aber es sind ja noch ein paar Monate bis Abu Dhabi und ich hoffe, dass das jetzt schon auch ein Wake-up Call war.
00:25:21: nicht nur die Situation in Europa, die viele hier aufwecken wird.
00:25:24: Es gab ja auch verheerende Sowohl über Flutungen als auch Dünen in Asien am Horn von Afrika usw.
00:25:30: Also es mangelt uns nicht an Warnhinweisen aber inwieweit sie nicht nur in Erklärung sondern wirklich in Handlungen umgesetzt werden Anfang Dezember Das wird sich zeigen.
00:25:41: Besonders optimistisch, stimmt das jetzt nicht?
00:25:45: Ich bin ehrlich gesagt nicht sonderlich optimistischer.
00:25:48: Wir hatten ja die letzte UN-Wasserkonferenz im Jahr und es war die erste Wasserkonferenz in über fünfzig Jahren.
00:25:56: Die letzte davor war fünfzig Jahre vorher.
00:25:59: Was einen natürlich auch fragen lässt, warum gab es dann nicht mehr internationale Aufmerksamkeit?
00:26:05: Wir haben jetzt die nächste, im Jahr ist es schon eine für zwei tausend achtundzwanzig geplant.
00:26:11: aber wie wir von Erklärungen, von Statements und politischen Aussagen wirklich dazu kommen die Sachen umzusetzen und dafür zu sorgen, dass weltweit wirklich sicherer Zugang zu Trinkwasser besteht.
00:26:25: Dass weltweit Wasserqualitätsprobleme angegangen werden.
00:26:28: Dass Biodiversitätsfragen angegangen sind.
00:26:31: Aquatische Biodiverität ist die Biodiverse, die am schnellsten zurückgeht.
00:26:36: Wie das Thema angegangen wird nicht nur in den Ländern, wir haben jetzt die Donau besprochen, Kooperationen zu stärken, in denen sie schon bestätzt sondern auch dort zu schaffen wo sie kaum besteht.
00:26:46: der Euphoratikris ist so ein Beispiel.
00:26:49: Das wird sich noch zeigen.
00:26:50: Na gut, also reden wir mal im Januar mal.
00:26:53: Und dann hoffen wir auf eine kleine Abkühlung bei mir in Zürichse und bei dir weiß ich gar nicht.
00:27:08: Gehst du ans Meer vielleicht heute Abend?
00:27:10: Ja das wird sicher keine Abkühlung aber...
00:27:13: Okay vielen Dank liebe Susanne!
00:27:15: Gerne
00:27:19: Das war NZZ Geopolitik, das große Ganze verstehen.
00:27:23: Heute zu den geopolitischen Folgen der Trockenheit in Europa.
00:27:28: Mein Gast war Susanne Schmeyer.
00:27:30: Sie ist Professorin für Wasserkorporation Wasserrecht und Wasserdiplomatie am Institut IHE in Delft in den Niederlanden.
00:27:39: Das Thema Trockeneid haben wir auch in NCZ Akzember handelt.
00:27:42: Ein kleines Dorf im Wallis führt wegen Wasserknappheit einen Bevölkerungsdeckel ein, den Link findet ihr in den Shownotes.
00:27:51: Ich wünsche euch einen kühlen Kopf.
00:27:53: Danke fürs Zuhören.
00:27:54: Mein Name David Vogel.
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